| Pressemitteilung

Vom Plastikbecher zum Chemiestudium

Zukunftsrelevante Nachwuchsförderung im Teltower Institut für Biomaterialforschung

Charlotte Biese beugt sich über die Grasfläche und gräbt in der dunklen Erde – an sich kein ungewöhnliches Geschehen in der gartenreichen Siedlung Teltow-Seehof. Doch die Schülerin des Weinberg-Gymnasiums Kleinmachnows befindet sich zusammen mit Nina Heldt, ihrer Chemielehrerin nicht im hauseigenen Garten, sondern auf dem Forschungscampus des Institutes für Biomaterialforschung des Helmholtz-Zentrums Geesthacht (HZG). Bereits seit mehreren Monaten führt sie hier ein Schulprojekt zum Abbau von Kunststoffen durch, fachlich betreut durch den HZG-Studienkoordinator Dr. Michael Schroeter.

Charlotte Biese, Michael Schroeter und Nina Heldt (v.l.n.r.) begutachten den Abbau des Bechers.

Hierzu haben der promovierte Wissenschaftler und die Schülerin zwei Joghurtbecher aus dem Kunststoff Polymilchsäuren (PLA) in der Erde vergraben. Ziel der Schülerin ist es, den graduellen Abbau in einer schriftlichen Projektarbeit wissenschaftlich zu dokumentieren. „Das Thema wird von uns intensiv bearbeitet, da der Abbau von Kunststoffen auch in der Medizin eine wichtige Rolle spielt –wie zum Beispiel bei abbaubarem Nahtmaterial und vielen anderen Anwendungen. Die Abbaubarkeit von Kunststoffen ist für unsere Umwelt ein wichtiges Thema und für die nächste Generation unmittelbar zukunftsrelevant“, erklärt Michael Schroeter.

Das Projekt von Charlotte Biese gehört zu einer breiten Palette von Schülerangeboten für alle Altersstufen, welche das Institut zu einem wichtigen Träger der Nachwuchsförderung in der Region macht: Zusammen mit dem Informationszentrum Berufsorientierung des Industriemuseums Region Teltow werden in regelmäßigen Abständen Studienorientierungswochen für die 11. Klassen der umliegenden Gymnasien angeboten. Hochschulreferenten der regionalen Universitäten führen Projekttage zu den Studienanforderungen durch und die Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums geben konkreten Einblick in die im Institut vertretenen Berufsfelder.

So besuchen am 25. November zwanzig Schüler den Campus , um direkt mit Biologen, Chemikern und Materialwissenschaftlern in Kontakt zu treten.

Wer noch gar nicht weiß, ob ein naturwissenschaftlicher Beruf oder ein Studium interessant wäre, kann sich für ein zweiwöchiges Schülerpraktikum im Institut bewerben. Zweimal pro Jahr besteht so die Möglichkeit, beim Durchlaufen der verschiedenen Abteilungen die eigenen Berufsvorstellungen stärker zu konkretisieren. An diesem Praxisangebot haben bislang 8. bis 10. Klassen aus Berlin, Brandenburg, Bremen, Thüringen oder Sachsen teilgenommen.

Ob am jährlich stattfindenden Zukunftstag für Mädchen und Jungen oder bei Schülerexkursionen, die Nachwuchsforscher führen in Teltow selber Experimente durch. Hierfür wurde am Institut eigens ein Showroom eingerichtet . Dort erfahren sie, wie man Kunststoffen ein Gedächtnis einprägt, was dies für medizinische Anwendungen bedeutet und welche Wissenschaftsbereiche daran beteiligt sind.


Prof. Dr. Andreas Lendlein

„Uns ist es ein wichtiges Anliegen, die Schüler direkt zu erreichen, sie für Wissenschaft zu begeistern und mit unserem Bildungsangebot individuell auf ihr Interesse einzugehen“, betont Prof. Dr. Andreas Lendlein, Leiter des Institutes für Biomaterialforschung. Und so kommt es schon mal vor, dass der leitende Professor im Rahmen von Wissenschaftstagen persönlich an Schulen vorträgt oder über das Call a Scientist-Netzwerk des bbb-Biotechnologieverbunds Berlin-Brandenburg an diese gerufen wird.

Von Vorteil ist zudem die institutsübergreifende Anbindung an die Infrastrukturen des Helmholtz-Zentrums Geesthacht, welches seit über vierzig Jahren als Ausbildungsbetrieb aktiv ist und allein in den vergangenen zehn Jahren über 150 junge Menschen ausgebildet hat, davon 17 in Teltow. Ob Chemie- oder Biologielaborant, Fachinformatiker, Industriemechaniker, technischer Produktdesigner, Fachkraft für Logistik oder Büromanagement - im Ganzen stehen elf Ausbildungsberufe zur Wahl, drei davon in Teltow.

„Wir sehen uns in Bezug auf die Nachwuchsförderung ganz in der Tradition unseres Forschungscampus, der mittlerweile überregional sowie international als wichtiger Technologie- und Wissenschaftsstandort wahrgenommen wird und seit 1920 die regionale Entwicklung direkt beeinflusst. Zukunftsrelevant sind insofern nicht nur unsere Forschungsthemen, sondern auch unser Bildungsauftrag“, erläutert Andreas Lendlein. Denn von den Netzwerkaktivitäten des Institutes und vom Innovationspotenzial der Region profitieren auch die derzeit 40 Doktoranden und 10 Post-Doktoranden, die hier den Grundstein für ihre wissenschaftliche Karriere legen und in ihrem beruflichen Werdegang zum Beispiel durch die Einbindung in Graduiertenschulen und Förderprogramme unterstützt werden.

Kontakt:


Sabine Benner

Institut für Biomaterialforschung

Helmholtz‐Zentrum Geesthacht
Kantstr. 55
14513 Teltow

Tel: 03328 352‐490

Fax: 03328 352‐452

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