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Prof. Dr. Corinna Schrum ist neue Leiterin im Institut für Küstenforschung

Seit dem 1. Oktober 2015 verantwortet die Ozeanografin den Bereich „Systemanalyse und Modellierung“ in Geesthacht.

Nach Studium, Promotion und Assistentenstelle in Hamburg ging die Ozeanographin für eineinhalb Jahre nach Dänemark, um 2006 eine Professur an der Universität Bergen in Norwegen anzutreten. Ihr Forschungsschwerpunkt: Modelle, die das Geschehen an der Küste möglichst umfassend beschreiben, indem sie eine Vielzahl von chemischen, physikalischen, biologischen und klimatischen Prozessen berücksichtigen.

Lesen Sie hier ein ausführliches Interview mit der Wissenschaftlerin:

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Prof. Dr. Corinna Schrum [Foto: H. Hillen]

Norwegen gilt als lebenswertes Land, Bergen als schöne Stadt. Was hat Sie bewogen, nach Deutschland zurückzukehren und am Helmholtz-Zentrum Geesthacht als Direktorin am Institut für Küstenforschung anzufangen?

Mich haben vor allem die Perspektiven gereizt, die sich mit dieser Stelle verbinden – die Möglichkeiten am Institut für Küstenforschung sind höchst attraktiv. Die komplexen Wechselwirkungen zwischen Atmosphäre, Ozean und Land lassen sich hier detailliert untersuchen. Das würde ich hier gern weiterentwickeln.

Der Bereich „Systemanalyse und Modellierung“ befasst sich mit dem Klima an den Küsten. Wo wollen Sie künftig die Schwerpunkte setzen?

Für die Küsten sind Klima und Klimawandel von entscheidender Bedeutung. Sie haben einen wesentlichen Einfluss auf das Geschehen und auf die Nutzung von Land und Meer durch uns Menschen. Wichtig ist auch der direkte Einfluss des Menschen – er nutzt die Küsten auf unterschiedliche, teils konkurrierende Weisen. Dabei kann es Konflikte geben, etwa wenn sich Touristen oder Fischer durch Offshore-Windparks gestört fühlen. Solche Prozesse werden in unserer Forschung künftig stärker in den Vordergrund rücken. Zum Beispiel wollen wir genauer vorhersagen, welche Folgen Offshore-Windparks auf die Meeresfauna haben und wie sich diese Auswirkungen mit dem Klimawandel ändern werden.

Das Institut umfasst neben der Klimaforschung zwei weitere Bereiche: „Biogeochemie im Küstenmeer“ befasst sich u.a. mit Schadstoffanalysen, „Operationelle Systeme“ entwickelt neue Messmethoden. Wie stellen Sie sich die Kooperation mit diesen Bereichen vor?

Die Zusammenarbeit wird sehr eng sein, man kann die Themen nicht losgelöst voneinander betrachten. So setzt man auch in der Biogeochemie immer mehr auf die Computermodellierung. Und bei der Zusammenarbeit mit dem Bereich „operationelle Systeme“ geht es darum, Computermodelle und Beobachtungsdaten in enger Synergie zu verwenden. Nur so kann das Institut für Küstenforschung das gesamte Spektrum abdecken und seine Expertise weiterentwickeln.

Welche Ziele haben sie sich gesteckt? Wo soll Ihr Institutsbereich in fünf Jahren stehen?

Das erste und zentrale Ziel ist, die Modellwerkzeuge weiterzuentwickeln. Zwar hat die Forschung schon große Fortschritte gemacht, aber vieles läuft noch separat: Bisher werden die Geschehnisse im Ozean, in der Atmosphäre und an Land noch weitgehend getrennt behandelt. Doch an der Küste treffen alle drei Bereiche aufeinander. Deshalb zielen die aktuellen Forschungsfragen nicht mehr allein auf den Ozean oder die Atmosphäre, sondern auf die Interaktionen zwischen ihnen: Wie sehen die Stoff- und Energieaustauschprozesse aus? Das läuft unter dem Stichwort Erdsystemmodell. Und darauf müssen wir uns mit unseren Modellierungswerkzeugen einstellen.

Sehen Sie sich in Ihrer Rolle als Institutsleiterin künftig vor allem als Forschungsmanagerin, oder haben Sie vor, auch selber aktiv zu forschen?

Ich habe weiterhin vor, aktiv zu forschen – auch wenn es natürlich eine Menge anderer Aufgaben geben wird. Aber ich halte es für wichtig, an der Forschung dran zu bleiben und selber zu forschen, am besten gemeinsam mit den Mitarbeitern. Ich bin derzeit Koordinatorin eines EU-Projekts namens SEAMAN, bei dem es um die Entwicklung von dreidimensionalen Methoden geht, mit denen sich gekoppelte physikalisch-biologisch-chemische Prozesse im Ozean abbilden lassen. Das werde ich auch nach dem Auslaufen des Projektes fortsetzen, mit besonderem Augenmerk auf Schadstoffkreisläufe im Küstenozean.

Worauf freuen Sie sich bei Ihrer neuen Aufgabe am meisten? Und gibt es auch Bedenken, etwa was die sprichwörtliche deutsche Bürokratie anbelangt?

Zunächst geht es darum, das Institut intensiv kennenzulernen und einen Überblick über die Expertise der Mitarbeiter und die aktuellen Forschungsthemen zu bekommen. Ich spüre hier am Institut einen großen Enthusiasmus, und das macht mir große Freude. In Sachen Bürokratie habe ich keine Befürchtungen. So schlimm ist die in Deutschland gar nicht, das wird schon gelingen.

Sie waren fast zehn Jahre in Norwegen. Was ändert sich mit dem Umzug nach Geesthacht bei Ihnen persönlich?

Es steht für mich eine Zeit des Pendelns bevor. Mein Mann arbeitet nach wie vor in Norwegen, meine beiden jüngsten Kinder leben dort. Doch zur Region Hamburg haben wir in all den Jahren eine enge Verbindung gehalten. Wir waren oft zu Besuch, denn meine älteren Kinder leben hier. Ich ziehe also nicht in die Fremde, ich fühle mich hier zuhause.

Das Interview führte Frank Grotelüschen

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