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Positive Bilanz für siebtes EU-Rahmenprogramm

"In den vergangenen elf Monaten konnten wir uns noch einmal steigern"

Das siebte EU-Forschungsrahmenprogramm ist 2013 ausgelaufen. Die Bilanz des Helmholtz-Zentrums Geesthacht kann sich sehen lassen. Allein in den vergangenen elf Monaten hat die EU zehn Projekte, die vom Helmholtz-Zentrum Geesthacht (HZG) koordiniert oder begleitet werden, bewilligt. Alle Projekte der Europäischen Union beim HZG werden in der Antrags- und Vertragsverhandlungsphase von Dr. Hans-Jörg Isemer, Leiter Europäische und Internationale Projekte, begleitet und betreut. Wir sprachen mit ihm.

Wie viele Projekte hat das Helmholtz-Zentrum Geesthacht insgesamt in der 7. Förderperiode erfolgreich akquiriert?

In der gesamten Förderperiode haben wir 45 Projekte, das heißt etwa alle zwei Monate ein Projekt, akquiriert. In den vergangenen elf Monaten konnten wir uns noch einmal steigern und haben allein in diesem Zeitraum zehn Projekte bewilligt bekommen.

Klingt nach einer guten Bilanz. Wie ist das gelungen?

Erfolg bei der Einwerbung von EU-Projekten kann mehrere Gründe haben. Zum Beispiel hängt es damit zusammen, welche Themenbereiche ausgeschrieben sind und gefördert werden. Im letzten Jahr haben sie sehr gut zu unseren Forschungsinhalten gepasst und das HZG hat sich gezielt mit Anträgen beteiligt. Außerdem habe ich das Ende des 7. Rahmenprogramms noch einmal speziell beworben: „Das ist jetzt das letzte Jahr, dass ihr zu den bekannten Bedingungen Forschungsprojekte einwerben könnt.“ Wir haben beim HZG viele Wissenschaftler, die einen sehr guten Antrag stellen können und dann in der Tat sehr viele Anträge gehabt, wovon eine überdurchschnittlich hohe Anzahl erfolgreich war.

Wie genau kann ich mir Ihre Rolle als Leiter Europäische- und Internationale Projekte vorstellen?

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Dr. Hans-Jörg Isemer, Leiter Europäische und Internationale Projekte

Meine Hauptaufgabe ist es, die Antragsteller für europäische und internationale Projekte bis zum Projektstart zu begleiten. Ich filtere zunächst für das HZG wichtige Informationen zum EU-Antragsgeschäft und leite sie gezielt im Zentrum weiter. Ich schaue dabei, was ist interessant für einen bestimmten Forschungsbereich, ein Institut oder eine Abteilung, manchmal sogar für einzelne Wissenschaftler.

Ich verteile diese Informationen über verschiedene E-Mail-Verteiler, außerdem pflegt die Stabsstelle eine Intranet-Seite, wo Links zu Aufrufen abgelegt und auf wichtige Informationen sowie Vorträge hingewiesen wird. Wenn mir direkt etwas ins Auge springt, dann spreche ich Leute persönlich an: „Hier, kommt, das ist doch etwas für euch“. Ich helfe den Wissenschaftlern beim Antrag schreiben und nehme ihnen zum Beispiel das Ausfüllen der administrativen Antragsteile ab. Vertragsverhandlung und -abschluss finden dann unter meiner Kontrolle statt.

Ist es nicht schwierig zu entscheiden, welche Informationen für die Wissenschaftler relevant sind und welche weniger?

Ja, das ist ein kritischer Punkt in meiner Arbeit. Mache ich den Filter zu eng, geht mir vielleicht etwas Interessantes für das HZG durch die Lappen und mache ich ihn zu weit, dann resultiert dies leicht in einer ungewollten Informationsüberflutung der Wissenschaftler. Mein Ziel ist, dass die Wissenschaftler meine Tätigkeit als nützliche Dienstleistung und Arbeitsentlastung empfinden.

Wie können Sie das überhaupt leisten?

Ich lese mir die Forschungsprogramme des HZG durch und rede gegebenenfalls mit den einzelnen Abteilungen. Daraufhin passe ich meinen Filter an. Einige Projekte begleite ich sogar bis zum Ende. Das mache ich bewusst, um mit eigenen Augen zu sehen, wie die Projekte im „wahren“ Leben ablaufen. Meine Assistentin Silke Köppen unterstützt mich sehr dabei. Ohne ihre zumeist nach außen wenig sichtbare Arbeit, insbesondere zum Beispiel bei der Intranet- und Internetpflege, könnte die Stabsabteilung die im Zentrum wahrgenommenen Arbeiten gar nicht leisten.

Was ist aus Ihrer Warte die Besonderheit an einem EU-Projekt teilzunehmen?

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Fast alle EU Projekte sind Kooperationsprojekte, in denen das HZG mit anderen Einrichtungen in Europa oder darüber hinaus zusammenarbeitet. Wir bringen also unsere Kompetenz zur Lösung von Fragestellungen im internationalen Kontext ein. Dies ist in den meisten Fällen für alle Beteiligte sehr fruchtbar, man lernt andere Techniken kennen und natürlich neue Partner, mit denen man weitere Projekte entweder bilateral oder in Konsortien durchführen kann.

Da alle Anträge für EU Projekte intensiv durch internationale Gutachter evaluiert werden, betrachten wir geförderte EU-Projekte als ein internationales Gütesiegel für die Kompetenz des HZG. Dazu kommt natürlich auch die kulturelle und – wenn man so will – zwischenmenschliche Bereicherung, wenn sich unsere Wissenschaftler auf internationalem Parkett in Europa und darüber hinaus bewegen. Ich persönlich habe die Arbeit in EU-Projekten und anderen internationalen Konsortien stets als persönliche Bereicherung erlebt, und dies in vielerlei Hinsicht.

Wie viel Zeit sollten die Beteiligten einplanen?

Das ist schwierig mit einer einzigen Zahl zu beantworten. Man muss unbedingt zwischen der Rolle des Koordinators und der des Teilnehmers unterscheiden. Wir reden in der Regel von Konsortien mit 10 bis 15 Partnereinrichtungen. Das HZG koordiniert aber auch ein Projekt mit 29 Einrichtungen und wir nehmen an Projekten mit bis zu 50 Partnern teil. Erst einmal das Konsortium zusammenzubekommen, ist sehr zeitaufwändig.

Man sagt in etwa, die koordinierende Einrichtung investiert allein für die Antragsvorbereitungen bis zu mehrere Personalmonate. Als Projektpartner liegt der Arbeitsaufwand für die Antragstellung in der Regel zwischen einigen Stunden bis zu einigen Arbeitstagen. Im letzteren Fall gilt es dann im Wesentlichen das jeweilige Arbeitspaket zu beschreiben und mit dem Koordinator abzustimmen. Aber auch in diesen Fällen kann der Arbeitsaufwand in Einzelfällen deutlich höher sein.

Wie schätzen Sie den Wettbewerb um EU-Projekte ein?

Der Wettbewerb ist sehr hart. Im Durchschnitt lag die EU-weite Erfolgsquote für das FRP 7 bei etwa 15 Prozent. Das heißt, von 100 eingereichten Anträgen waren rund 15 erfolgreich und wurden gefördert. In einzelnen EU Programmen liegt die Erfolgsquote sogar nur bei 10 Prozent. Das HZG liegt mit rund 30 Prozent Erfolgsquote im FRP 7 über dem europäischen Durchschnitt; ich habe den Eindruck, dass das HZG damit grundsätzlich ganz zufrieden ist.

Seit Anfang dieses Jahres ersetzt das EU-Programm Horizon 2020 das bisherige FRP Programm. Wie wecken Sie das Interesse der Wissenschaftler für Horizon 2020?

Ich habe spezielle Vorträge in den verschiedenen Instituten beim HZG gehalten. Auch das Helmholtz-Büro in Brüssel und externe Berater, die sich mit dem EU-Antragsgeschäft auskennen, habe ich für Informationsveranstaltungen eingeladen. Gerade in der zweiten Jahreshälfte 2013 und zu Beginn des aktuellen Jahres habe ich bewusst die Anzahl der Informations-E-Mails erhöht. Aber auch hier gilt: Ich will die Wissenschaftler nicht überfüttern oder gar abschrecken.

Manche Dinge, gerade im administrativen Bereich, erläutere ich erst im Detail bei den individuellen antragsvorbereitenden Gesprächen. Bis Anfang Mai hat das HZG etwa 25 EU-Anträge in Horizon 2020 eingereicht, das würde ich als gute Antragsbeteiligung einstufen. Mal sehen, ob wir auch an die Erfolge von FRP 7 anknüpfen können.

Das Interview führte Vanessa Barth

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