| Pressemitteilung GKSS-Forschungszentrum Geesthacht

Klimaforschung: Mit Eisendüngung von Meeresalgen gegen Treibhausgas

GKSS-Wissenschaftler gehen auf Forschungsfahrt mit der "Polarstern" im Südatlantik

Das Phytoplankton der Weltmeere spielt eine ent-scheidende Rolle im Klimageschehen. Ein inter-nationales Forscherteam, zu dem Wissenschaftler der Helmholtz-Zentren Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, Bremerhaven (AWI) und GKSS-Forschungszentrum Geesthacht gehören, wird auf der aktuellen Fahrt des Forschungsschiffes “Polarstern” die Auswirkungen einer Eisendüngung auf Algen im Südatlantik untersuchen.

Polarstern

Vom 21. Januar bis zum 25. März 2004 werden zwei GKSS-Wissenschaftler das Forschungsschiff „Polarstern“ des AWI auf seiner 21. Antarktis-Expedition begleiten. Insgesamt nehmen 49 Wissenschaftlerinnen und Wissen-schaftler aus neun Nationen an dieser Fahrt teil, um Un-tersuchungen am Phytoplankton in den Gewässern des Südatlantiks (50 Grad Süd) vorzunehmen.

Kleine Algen – große Auswirkung auf das Klima


Das Phytoplankton der Weltmeere mit seinen Milliarden von winzigen Sauerstoff produzierenden Algen spielt nicht nur für die Nahrungskette der Ozeane, sondern auch für das Weltklima eine entscheidende Rolle. Über die Photo-synthese binden die Algen große Mengen des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) und tragen so dazu bei, den drohenden Klimawandel zu bremsen. Um diese Pufferwirkung zu fördern, gab es in der Vergangenheit bereits Versuche, durch Eisendüngung das Algenwachstum anzuregen.

Eisendüngung – Nutzen und Risiken


Denn man weiß: In den betroffenen ozeanischen Gebieten herrscht Eisenmangel. Setzt man Eisenpräparate in diesem Meeresgebiet frei, so nimmt die Meeresalgendichte zu. Den Effekt dieser „Eisendüngung“ wollen die Wissenschaftler nun genauer untersuchen. Denn die so genannte „Eisen-Hypothese“ ist auch umstritten. „Bisher wissen wir noch nicht, welche Auswirkungen eine Eisendüngung auf den Klimawandel wirklich haben kann und wir kennen auch noch nicht alle Nebenwirkungen“, so Prof. Dr. Franciscus Colijn, Leiter des GKSS-Instituts für Küstenforschung in Geesthacht.
Um den Langzeiteffekt der Eisendüngung besser verstehen zu können, werden die Forscher acht Wochen lang die Entwicklung des Phytoplanktons beobachten. Das gelöste Eisen wird auf einer Fläche von 200 Quadratkilometern und in einer Tiefe von 5 Metern ausgebracht.

Grundlagenforschung dringend erforderlich


Die GKSS-Wissenschaftler wollen der Frage nachgehen, wie sich das Phytoplankton unmittelbar nach der Eisendüngung verändert und welche Arten besonders davon „profitieren“. Mithilfe von speziellen Messverfahren soll die Artenzusammensetzung des Phytoplanktons untersucht werden. Die verschiedenen Arten müssen unter dem Mik-roskop „ausgezählt“ werden – bisher ein komplizierter und zeitaufwändiger Prozess. Während der Expedition wollen die GKSS-Forscher nun neue und teilweise automatisierte Messverfahren erproben. So soll z.B. ein spezielles Durchflusszytometer eingesetzt werden, das alle 15 Minuten eine Probe komplett durchmisst und dabei einen „Fingerabdruck“ von jeder Art nimmt. Die Effekte der Eisendüngung können so besonders schnell ermittelt werden.

Theorie und Praxis


Die Ergebnisse werden mit Spannung erwartet, und zwar nicht nur von der Wissenschaft. Wegen der in Zukunft wachsenden Kosten für die Vermeidung von CO2-Emissionen hat die Wirtschaft schon ihr Interesse ange-meldet. Eisendüngung der Ozeane im großen Stil birgt für sie die Hoffnung, zu so genannten „handelbaren CO2-Zertifikaten“ zu kommen. Die Idee ist, dass diese Zertifikate von CO2-emittierenden Unternehmen zum Zweck der Steuerbefreiung erworben werden könnten. Doch vor der Realisierung solcher Projekte müssen noch viele Fragen beantwortet werden: Neben der rein logistischen Frage, wie man das Eisen in ausreichenden Mengen in den Ozean bringen könnte, hat die Erforschung der Auswirkungen auf die Meeresökologie oberste Priorität. Die Expedition will dazu beitragen, einige Antworten für diesen Bereich zu finden.