HZG im Dialog

Newsletter

HZG im Dialog - Newsletter November 2016 der Begleitgruppe „Stilllegung Atomanlagen des HZG (ehem. GKSS)" und des Helmholtz-Zentrums Geesthacht

Am 05.12.16 beginnt die Auslegungsfrist im Rahmen der Genehmigungsverfahren zur Stilllegung der Atomanlagen des HZG. Bis zum 06.02.17 besteht nun die Möglichkeit, die Antragsunterlagen

  • zum Umgang mit radioaktiven Stoffen nach § 7 Strahlenschutzverordnung (StrSchV) in einer Transportbereitstellungshalle und
  • zur Stilllegung des Forschungsreaktors FRG-1 und zum Abbau der Forschungsreaktoranlage und des Heißen Labors sowie zur Zerlegung des Reaktordruckbehälters des Nuklearschiffs Otto Hahn nach § 7 Abs. 3 Atomgesetz

einzusehen.

Die Unterlagen werden an folgenden Stellen ausliegen und können dort eingesehen werden:

Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (MELUR)
des Landes Schleswig-Holstein
Dienstgebäude Adolf-Westphal-Str. 4, Pförtnerloge
24143 Kiel
montags bis freitags von 8:30 bis 15:00 Uhr

Stadtverwaltung Geesthacht
Rathaus, Markt 15, 21502 Geesthacht, mit den Öffnungszeiten
montags, mittwochs und donnerstags von 08:30 bis 12:00 Uhr,
dienstags von 07:30 bis 12:00 Uhr und
donnerstags von 14:00 bis 18:30 Uhr

Darüber hinaus werden die Unterlagen im Internet auf den Seiten des MELUR (Zur Website des MELUR) verfügbar sein.

Auch auf der Homepage des HZG (www.hzg.de/dialog) stehen die Unterlagen ab dem 5. Dezember 2016 zum Download zur Verfügung. Zusätzlich werden hier auch ein Entwurf mit ergänzenden Informationen sowie die externen Stellungnahmen von Wolfgang Neumann zu finden sein. Diese sind zwar keine offiziellen Dokumente im atomrechtlichen Verfahren, können aber zur Vertiefung und Ergänzung der eigenen Bewertung genutzt werden.

Abschließend möchten wir Sie auf eine öffentliche Info-Veranstaltung in der zweiten Januarhälfte (voraussichtlich am 16.01.17 / im Helmholtz-Zentrum Geesthacht) aufmerksam machen, zu der wir rechtzeitig einladen werden.

HZG im Dialog - Newsletter Oktober 2016 der Begleitgruppe „Stilllegung Atomanlagen des HZG (ehem. GKSS)" und des Helmholtz-Zentrums Geesthacht

Eines der Anliegen des HZG-Dialogs ist es, schon im Vorfeld Fragen zu beleuchten, die an anderen Atomstandorten erst im Erörterungsverfahren und sogar im Anschluss daran gerichtlich geklärt werden müssen. Ziel ist es gemeinsam akzeptierte Lösungen zu finden. Um dafür eine fachliche Grundlage zu schaffen, wurden in der Vergangenheit bei verschiedenen Themen in dem konsensorientierten Dialog externe Experten hinzu gezogen. Damit die Entscheidungsprozesse transparent werden, sind die hierfür erstellten Gutachten über die Homepage des HZG veröffentlicht. Zu zwei weiteren diskutierten Themen ist jetzt ein Gutachten des unabhängigen Wissenschaftlers Wolfgang Neumann abrufbar.

Kurzstellungnahme zum Diskussionsstand bzgl. Abdeckung des Reaktorbeckens und zum Einsatz von mobilen Konditionierungsanlagen im Helmholtz-Zentrum Geesthacht [Wolfgang Neumann, intac] (242 KB)

Teileinschluss des Reaktorpools

An allen Standorten, an denen Atomanlagen rückgebaut werden, stellen Bürgerinitiativen die Frage, ob es zu den Plänen der Betreiber Alternativen gibt. Insbesondere für die grundlegende Rückbaustrategie – Einschluss oder Rückbau – fordern sie eine Prüfung und Abwägung von Vor- und Nachteilen. Eine derartige Prüfung ist im atomrechtlichen Genehmigungsverfahren jedoch nicht verpflichtend vorgesehen.

Im Gegensatz dazu wurde schon zu Beginn des HZG-Dialoges auf Wunsch der Begleitgruppe der unabhängige Gutachter Wolfgang Neumann mit einer solchen Alternativenprüfung beauftragt. Basierend auf seinem Gutachten hatte die Begleitgruppe dem Antrag des HZG auf „sofortigen Rückbau“ in seinen wesentlichen Aussagen zugestimmt.

Offen blieb dabei, ob nicht ein Teileinschluss des Reaktorpools den Vorteil bieten könnte, durch längere Abklingzeiten Atommüll zu vermeiden und die Strahlenbelastung für das Rückbaupersonal zu reduzieren.

Das HZG kommt jedoch nach eingehender Prüfung unter anderem auch durch ein externes baustatisches Gutachten zu vier wesentlichen Gründen, die gegen die Möglichkeit eines Teileinschlusses sprechen:

  • Es ist keine bauphysikalische Lebensdauerbetrachtung (Standsicherheitsnachweis) für die Reaktorbecken möglich.
  • Im Genehmigungsverfahren kann von der Behörde die Auslegung des Einschlusses gegen Flugzeugabsturz gefordert werden.
  • Für den Betrieb des Einschlusses wären Lüftungsanlage, Abwassersammelsystem und Infrastruktureinrichtungen erforderlich, die nach atomrechtlichen Vorgaben instandgehalten werden müssen.
  • Durch den Einschluss entsteht ein Personalkompetenzverlust.

Auf Wunsch der Begleitgruppe hat der unabhängige Gutachter Wolfgang Neumann diese Einschätzungen überprüft. In Bezug auf den Standsicherheitsnachweis kommt er auf Grundlage der von HZG für diese Überprüfung zur Verfügung gestellten Unterlagen zu den baulichen Gegebenheiten des Reaktorbeckens ebenfalls zu dem Ergebnis, dass die Option eines Teileinschlusses nicht weiter verfolgt werden sollte. Die drei weiteren Gründe werden nicht als ausreichend schwerwiegend angesehen.

Reduktion von Atomtransporten durch den Einsatz mobiler Konditionierungsanlagen

In einem zweiten Teil seines Gutachtens regt Neumann an, die Möglichkeit des Einsatzes mobiler Konditionierungsanlagen am Standort Geesthacht zu prüfen. Da jeder Atomtransport ein potentielles Risiko darstellt, ist es der Begleitgruppe wichtig, dass die notwendigen Transporte auf ein Mindestmaß reduziert werden. Im Rahmen des Rückbaus fallen dabei unter anderem Transporte in Anlagen zur Konditionierung der Abfälle (z.B. in Jülich, in Karlsruhe oder im schwedischen Studsvik) für die spätere „Endlagerung“ an.

Diese Transporte ließen sich durch den Vorort-Einsatz mobiler Konditionierungsanlagen reduzieren. In den ursprünglichen Planungen des HZG war die Nutzung derartiger Anlagen nicht vorgesehen. Eine Prüfung auf Wunsch der Begleitgruppe ergab, dass die derzeit verfügbaren Anlagen aus Platz- und Gewichtsgründen in den Kontrollbereichen des HZG nicht einsetzbar sind. Diese Einschätzung wird in dem Gutachten von Wolfgang Neumann bestätigt.

Ergänzend schlägt er allerdings vor, für einen Teil der radioaktiven Abfälle die Nutzung möglicher Konditionierungsanlagen im Atomkraftwerk Krümmel zu erwägen. Dadurch würde sich die Transportstrecke verkürzen.

Das Thema Atomtransporte wird den Begleitprozess noch länger beschäftigen. Bei den kommenden Diskussionen wird dabei auch die Auswahl der Konditionierungsanlagen eine Rolle spielen. Neben anderen, rein sicherheitstechnischen Erwägungen ist dabei die Reduktion der Transportstrecken ein ausschlaggebender Punkt.

Hintergrundinfos zum HZG-Dialog und zahlreiche Dokumente als Download finden Sie hier:

Zu den Downloads

HZG im Dialog - Newsletter April 2016 der Begleitgruppe „Stilllegung Atomanlagen des HZG (ehem. GKSS)" und des Helmholtz-Zentrums Geesthacht

Begleitgruppe und Betreiber finden Konsens für den weiteren Umgang mit dem Reaktordruckbehälter (RDB) des stillgelegten Atomschiffes „Otto Hahn“

„Die Begleitgruppe unterstützt die Pläne des HZG, das Zerlegungskonzept für den RDB der „Otto Hahn“ weiterzuverfolgen.“ Dieser Satz im Protokoll beendet die gut eineinhalb Jahre dauernde Diskussion im HZG-Dialog.

Im Zentrum stehen dabei die Genehmigungslage des Reaktordruckbehälters (RDB) des stillgelegten Atomschiffes „Otto Hahn“ und die Pläne zum weiteren Umgang mit ihm. 1981 wurde der 480 Tonnen schwere Reaktordruckbehälter brennstofffrei in einem dafür eigens errichteten Betonschacht auf dem Gelände des Geesthachter Forschungszentrums eingelagert. Die zuständige Atomaufsicht in Kiel (heute Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume MELUR) erteilte damals die Genehmigung zur „Lagerung von Komponenten des Nuklearschiffes "Otto Hahn" für wissenschaftliche Untersuchungen“.

Nach Durchsicht der vom HZG zur Verfügung gestellten Unterlagen kommt die Begleitgruppe zu dem Schluss, dass über die notwendigen Untersuchungen im Rahmen des Strahlenschutzes hinaus keine Forschung erfolgt ist. Aus ihrer Sicht bestehen daher weiterhin Zweifel an der Gültigkeit der Genehmigung. Für die Begleitgruppe liegt der Verdacht nahe, dass man mit der Einlagerung des RDB in Geesthacht das Atommüllproblem verschleiern wollte.
Aus Sicht des HZG und des MELUR ist die Genehmigung gültig, da die „Lagerung für wissenschaftliche Untersuchungen“ nicht zwingend daran gebunden ist, dass über die notwendigen Untersuchungen im Rahmen des Strahlenschutzes hinaus weitere Forschungsarbeiten durchgeführt werden.

Auch wenn der Dissens in der politischen und juristischen Einschätzung bestehen bleibt, haben sich beide Seiten auf eine Prüfung des HZG-Vorschlags zum weiteren Umgang mit dem radioaktiv belasteten RDB geeinigt. Auf Wunsch der Begleitgruppe hat das HZG den unabhängigen Physiker Wolfgang Neumann beauftragt, das bisher vorliegende Zerlegungskonzept und den Umgang mit dem entstehenden Atommüll zu bewerten.
Dieser Prüfbericht liegt nun vor. Grundsätzlich stellt Neumann vier Alternativen vor und bewertet sie:

  • die dauerhafte Lagerung des RDB am derzeitigen Standort,
  • den Abtransport des unzerlegten RDB an einen anderen Standort zur dortigen Zerlegung (z.B. das zentrale Zwischenlager in Lubmin),
  • die Zwischenlagerung in derzeitiger Form bis zur Fertigstellung eines Bundesendlagers für schwach- und mittelradioaktiven Atommüll,
  • und das vom HZG vorgesehene Zerlegungskonzept.

Eine dauerhafte Lagerung vor Ort schließt Neumann schon aufgrund der Geologie des Standortes grundsätzlich aus. Der Abtransport des unzerlegten RDB wäre unter den heutigen Anforderungen nicht genehmigungsfähig, da eine Beschädigung des RDB bei einem Transportunfall nicht ausgeschlossen werden kann. Gegen die weitere Zwischenlagerung vor Ort sprechen für Neumann Zweifel an der dauerhaften Abschirmung des Betonschachtes gegen das anstehende Hangwasser und sicherheitstechnische Anforderungen an ein Zwischenlager, die nur durch einen grundlegenden Umbau des Schachtes oder Baumaßnahmen am RDB zu erfüllen wären.

Das Zerlegungskonzept des HZG wird hingegen als schlüssig und zielführend eingestuft. Unter Sicherheitsgesichtspunkten ist es das empfehlenswerte Verfahren.
Das HZG plant dabei über dem Betonschacht ein Zerlegegebäude zu errichten und den RDB schrittweise zu zerlegen, die Einzelteile in dafür vorgesehene Atommüllbehälter zu verpacken und dann auf dem Gelände des Forschungszentrums zu lagern, bis sie für eine Endlagerung im Bundesendlager abgefordert werden. Alle dafür notwenigen Arbeiten erfolgen unter den höchstmöglichen Sicherheitsstandards und Anforderungen an den Strahlenschutz.
Nach eingehender Beratung unterstützt die Begleitgruppe die Pläne des HZG. In der Stellungnahme von Wolfgang Neumann werden einige Empfehlungen zur Überprüfung einzelner Aspekte abgegeben wie zum Beispiel die Primärkreis-Dekontamination, die Zerlegung des Dampferzeugers vor Ort und der Umgang mit radioaktiven Reststoffen. Die Vorschläge des Gutachters werden die Grundlage für die kommenden Diskussionen im Rahmen des HZG-Dialoges bilden.

Hier haben Begleitgruppe und Betreiber im konsensorientierten Dialog einen konstruktiven Weg im transparenten und verantwortungsvollen Umgang mit dem radioaktiv belasteten RDB eingeschlagen, auch wenn Begleitgruppe und HZG weiterhin in der rechtlichen Bewertung weit voneinander abweichen.

Angestoßen durch die Diskussionen im HZG-Dialog haben sowohl das schleswig-holsteinische Umweltministerium als auch das Bundesministerin für Bildung und Forschung das Thema aufgegriffen und sich dafür eingesetzt, dass früher als ursprünglich geplant Bundesmittel zur Verfügung stehen.
Somit kann nun das HZG weiter in die Detailplanung des Zerlegungskonzeptes eintreten.

Erste praktische Arbeiten sind voraussichtlich nicht vor 2019 zu erwarten.

Kurzstellungnahme Zerlegung des Reaktordruckbehälters des NS Otto Hahn und Betrachtung von Alternativen (Wolfgang Neumann, intac GmbH) [Download] (633 KB)

HZG im Dialog - Newsletter April 2015 der Begleitgruppe „Stilllegung Atomanlagen des HZG (ehem. GKSS)" und des Helmholtz-Zentrums Geesthacht

HZG-Dialog-Prozess besteht erste Bewährungsprobe

Seit Sommer 2014 wird im Rahmen des Dialog-Prozesses zur Stilllegung der Atomanlagen des ehemaligen GKSS-Forschungszentrums kontrovers diskutiert. Begleitgruppe und Betreiber liegen in ihrer Einschätzung der Rechtsgrundlage für die Lagerung des Reaktordruckbehälters des stillgelegten Atomschiffes „Otto Hahn“ weit auseinander.

Worum geht es dabei konkret?

1981 wurde der 480 Tonnen schwere Reaktordruckbehälter (RDB) des stillgelegten Atomschiffes „Otto Hahn“ des ehemaligen GKSS-Forschungszentrums brennstofffrei in einem dafür eigens errichteten Betonschacht auf dem Gelände des Geesthachter Forschungszentrums eingelagert. Die zuständige Atomaufsicht in Kiel erteilte damals die Genehmigung zur „Lagerung von Komponenten des Nuklearschiffes "Otto Hahn" für wissenschaftliche Untersuchungen“.

Aus Sicht des HZG ist diese Genehmigung weiterhin gültig, auch wenn spätestens mit dem Aufsichtsratsbeschluss von 2008 die Entscheidung getroffen wurde, die Forschung in den Atomanlagen am Standort Geesthacht einzustellen.

Aus Sicht der Begleitgruppe ist die Befürchtung der Umweltinitiativen eingetroffen, dass seit den 90er Jahren, spätestens aber mit der Entscheidung zur Stilllegung der Forschungs- reaktoranlage der RDB in Geesthacht zwischengelagert wird. Aus ihrer Sicht liegt hier der Verdacht nahe, dass die Forschungsgenehmigung missbraucht wurde, um die Probleme mit der Atommüllentsorgung zu verschleiern.

In den alten Mustern der Auseinandersetzung zwischen Betreibern von Atomanlagen und Anti-Atom-Bewegung wäre dies das Ende der Gespräche und der Beginn gegenseitiger Beschuldigungen gewesen. Die Stärke des konsensorientierten Dialogs zeigt sich an dieser Stelle daran, dass nun neue Wege des Miteinanders eingeschlagen werden.
In einem ersten Schritt wurde im Oktober 2014 die Öffentlichkeit in einer gemeinsamen Presserklärung über den bestehenden Dissens informiert. Beide Seiten bekunden dabei ihr Verständnis für den jeweiligen Standpunkt der Gegenseite.

Parallel dazu hat sich die Begleitgruppe mit ihren Bedenken und der Bitte um rechtliche Prüfung an die Atomaufsicht im Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume in Kiel (MELUR) gewandt.

Das Antwortschreiben des MELUR stützt die Haltung des HZG, dass die Genehmigung rechtskräftig ist, da die „Lagerung für wissenschaftliche Untersuchungen“ nicht zwingend daran gebunden ist, dass dann auch wirklich Forschungsarbeiten durchgeführt werden.

Aus Sicht der Begleitgruppe ist diese Haltung nicht nachvollziehbar. Wie häufig in der gesellschaftlichen Auseinandersetzung um die Atomkraft stellt die Begleitgruppe hier die Frage, ob alles, was legal ist, auch legitim und moralisch vertretbar ist.

Auf der rein praktischen Seite hat die Initiative der Begleitgruppe aber nun zu einer für alle Beteiligten positiven Entwicklung geführt. Sowohl der schleswig-Holsteinische Umweltminister Robert Habeck als auch Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung, haben das Thema aufgegriffen und sich für eine zügige Lösung stark gemacht.
Entgegen der ursprünglichen Planung – sie sah vorbereitende Arbeiten zum weiteren Umgang ab 2018 und den Beginn der Rückbaumaßnahmen ab 2021/22 vor – kann das HZG nun schon für 2015 € 500.000,- für die Erstellung von Antragsunterlagen einplanen. Und auch für die kommenden Schritte ist aus dem für die Finanzierung zuständigen Bundesministerium Unterstützung zugesagt.

Auf Wunsch der Begleitgruppe hat das HZG nun den atomkritischen Physiker Wolfgang Neumann beauftragt, das bisher vorliegende Zerlegungskonzept und den Umgang mit dem entstehenden Atommüll zu bewerten.

Sowohl die Begleitgruppe als auch das HZG sehen in dieser Entwicklung einen positiven Schritt zu einer befriedigenden Lösung im Umgang mit dem RDB der „Otto Hahn“.
Damit hat der Dialog-Prozess seine erste Bewährungsprobe bestanden und bewiesen, dass es auch beim sehr umstrittenen Umgang mit Atommüll möglich ist, auf der Sachebene gemeinsam nach Lösungen zu suchen, obwohl man in der politischen Bewertung weit voneinander abweicht.

HZG im Dialog - Newsletter März 2015 der Begleitgruppe „Stilllegung Atomanlagen des HZG (ehem. GKSS)" und des Helmholtz-Zentrums Geesthacht

Nachdem das Helmholtz-Zentrum Geesthacht (HZG) im März 2013 den Antrag auf Stilllegung des Brennelemente freien Forschungsreaktors FRG-1 und Abbau der Forschungsreaktoranlage und des Heißen Labors bei der zuständigen Aufsichtsbehörde gestellt hat, sind nun auch die ergänzenden Unterlagen beim schleswig-holsteinischen Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume eingereicht worden.

Diese Unterlagen umfassen den „Sicherheitsbericht“ sowie den „Vorschlag zum Untersuchungsrahmen für die Umweltverträglichkeitsuntersuchung (UVU)“.
Beide Unterlagen wurden vor der Einreichung durch den Diplom-Physiker und kritischen Experten Wolfgang Neumann bewertet und im Dialogprozess diskutiert.
Aufgrund des Urteils von 2013 des Oberverwaltungsgerichts Schleswig gegen das Brennelement-Zwischenlager Brunsbüttel, mussten die vom HZG entworfenen Unterlagen vor der endgültigen Einreichung entsprechend überarbeitet werden. Diese Überarbeitung musste besondere Unfallszenarien, wie etwa den Absturz eines Großraumflugzeuges mit einbeziehen.

Einer der nächsten Schritte wird nun der sogenannte Scoping-Termin sein. Dazu werden von der Atomaufsicht alle von der Stilllegung in irgendeiner Weise betroffenen Behörden, Einrichtungen, Verbände und Initiativen eingeladen, um die Anforderungen und den Umfang einer Umweltverträglichkeitsprüfung zu klären. Diese Veranstaltung gilt als Beratungstermin für die Genehmigungsbehörde und den Antragsteller. Derzeit ist davon auszugehen, dass der Scoping-Termin im Mai 2015 stattfinden wird.
Während der Dialog zwischen HZG und Begleitgruppe auf rein freiwilliger Basis läuft und keinerlei rechtliche Grundlage hat, ist das Öffentlichkeits-Beteiligungsverfahren im Atomrecht festgelegt.

Der „Sicherheitsbericht“ sowie der „Vorschlag zum Untersuchungsrahmen für Umweltverträglichkeitsuntersuchung (UVU)“ finden sich zum Download auf der Internetseite des HZG bereit.

Zu den Downloads

HZG im Dialog - Newsletter September 2014 der Begleitgruppe „Stilllegung Atomanlagen des HZG (ehem. GKSS)" und des Helmholtz-Zentrums Geesthacht

Luftbild der seit 2010 abgeschalteten Forschungsreaktoranlage am Helmholtz-Zentrum Geesthacht. Seit dem 1. Juli 2010 befindet sich der Forschungsreaktor in der Nachbetriebsphase.

Luftbild der seit 2010 abgeschalteten Forschungsreaktoranlage am Helmholtz-Zentrum Geesthacht. Seit dem 1. Juli 2010 befindet sich der Forschungsreaktor in der Nachbetriebsphase.

Nachdem das Helmholtz-Zentrum Geesthacht (HZG) den Antrag auf Stilllegung des Brennelemente freien Forschungsreaktors FRG-1 und Abbau der Forschungsreaktoranlage und des Heißen Labors gestellt hat, steht folgende Frage im Mittelpunkt der weiteren Diskussionen:

Was passiert mit dem dabei anfallenden Atommüll? Eine Frage, die nicht nur den Dialogprozess zwischen der Begleitgruppe und dem HZG beschäftigt. Die dauerhaft sichere Lagerung des durch den Betrieb von Atomanlagen angefallenen und beim Abbau noch anfallenden Atommülls ist nach wie vor eine zu lösende Aufgabe. Nicht nur im Zusammenhang mit den Geesthachter Anlagen.

Das genehmigte Atommüll-Lager im Schacht Konrad, in dem schwach- und mittelradioaktive Atomabfälle eingelagert werden sollen, verzögert sich immer mehr. Betroffen davon sind auch die Planungen bei der Stilllegung und dem Abbau der Geesthachter Anlagen. VertreterInnen der Begleitgruppe halten den Schacht Konrad nicht für geeignet.

Auch wenn es auf dem Forschungsgelände in Geesthacht keine hochradioaktiven Abfälle mehr gibt, spielt dieses Thema im Dialog eine Rolle. Denn die dauerhafte Lagerung des hochradioaktiven Atommülls ist nach wie vor nicht geklärt. Der Salzstock in Gorleben gilt vielen in der Bevölkerung als ungeeignet. Mit dem Standortauswahlgesetz hat der Bundestag nun ein neues Verfahren zur Suche nach geeigneten Lagermöglichkeiten für hochradioaktiven Atommüll eingeleitet, bei dem erstmals auch Alternativen verglichen werden sollen. Außerdem soll eine Kommission, in der Vertreter aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen beteiligt sind, Kriterien für die dauerhaft sichere Lagerung entwickeln und das Gesetz überprüfen.

Die Umweltverbände haben das beschlossene Verfahren scharf kritisiert und dazu Ende März eine Konferenz durchgeführt. Über die Tagung der Umweltverbände unter der Leitung des Deutschen Naturschutzrings wird hier informiert:

Dokumentation Tagung [Deutscher Naturschutzring]

Die Verbände hatten auch kritisiert, dass die Suche nach dauerhaft sicheren Lagermöglichkeiten für die radioaktiven Abfälle von vornherein eine breite öffentliche Beteiligung und Mitbestimmung erfordere. Vor diesem Hintergrund fand auch der Dialogprozess zwischen HZG und Begleitgruppe auf der Tagung Beachtung. Auf einem Workshop konnten wir gemeinsam über die Grundlagen des bundesweit einzigartigen Dialogs auf der Grundlage einer Suche nach „einvernehmlichen Lösungen“ bei der Stilllegung der Atomanlagen informieren und fanden damit großes Interesse. Der gemeinsame Vortrag steht hier zum download:

Download Vortrag [Deutscher Naturschutzring]

An anderen Standorten, wie z.B. bei der Stilllegung der AKWs in Biblis oder Neckarwestheim basieren die Beteiligungsverfahren nicht auf dem Prinzip einer Konsenssuche, sondern bleiben im Rahmen von Beteiligung und Information.

Inhalt


Welche Baumaßnahmen laufen im Rahmen des Abbaus derzeit auf dem Gelände des HZG? Externer Gutachter ausgewählt Rückblick Öffentliche Veranstaltung Wie lange bleibt der Atommüll am Standort Geesthacht? Wie geht das Genehmigungsverfahren weiter? Hintergrund (Besichtigung & Downloads)


Welche Baumaßnahmen laufen im Rahmen des Abbaus derzeit auf dem Gelände des HZG?

Derzeit werden in der ehemaligen Versuchshalle innerhalb der Forschungsreaktoranlage zwei Brandabschnittsswände errichtet.

Ziel ist es, einen Teil der Halle zu einer sogenannten Transportbereitstellungshalle umzubauen. Hierzu muss ein Antrag nach § 7 Strahlenschutzverordnung gestellt werden. Transportbereitstellungshallen sind nach Landesbauverordnung errichtete Hallen, die ausschließlich nicht wärmeentwickelnde Abfälle in speziellen Gebinden und keine Kernbrennstoffe aufnehmen dürfen. Die dort eingelagerten Materialien sind weder brennbar noch Gas entwickelnd. Der Schutz und die Abschirmung der schwach- und mittelradioaktiven Materialien erfolgt dabei nicht durch die Bauweise der Halle sondern durch die Behälter selber, die zu diesem Zweck speziell konzipiert und zugelassen sind. Vor dem Einbringen in diese Behälter werden die radioaktiven Abfälle im Volumen reduziert und so vorbehandelt, dass sie den Ansprüchen an eine Einlagerung in das Bundesendlager entsprechen. Diese Vorbehandlung bezeichnet man als Konditionierung.

Die Zuständigkeit für die Genehmigung der Transportbereitstellungshallen in Schleswig-Holstein liegt beim Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume. Damit die ehemalige Versuchshalle die Funktion der Transportbereitstellungshalle übernehmen kann, müssen zahlreiche weitere Baumaßnahmen durchgeführt werden. Eine wichtige Maßnahme hierbei ist die Erhöhung der Tragfähigkeit des Bodenbereichs, damit die Behältnisse für die Transportbereitstellung dort gelagert werden können. Da es sich hierbei um eine Erdbaumaßnahme handelt, muss gemäß Landesverordnung zur Abwehr von Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung in Zusammenarbeit mit dem Kampfmittelräumdienst des Landes Schleswig-Holstein der Bodenbereich sondiert werden.

Externer Gutachter ausgewählt

Am 21. März 2013 wurde vom HZG beim schleswig-holsteinischen Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume in Kiel der Antrag zur Stilllegung des Brennelement freien Forschungsreaktors FRG-1 und Abbau der Forschungsreaktoranlage und des Heißen Labors des ehemaligen GKSS-Forschungszentrums eingereicht. Die atomrechtliche Aufsichtsbehörde hat anschließend ein EU-weites Vergabeverfahren für die Auswahl des Sachverständigen für die Begutachtung des Stilllegungsantrags durchgeführt und Ende Dezember 2013 den TÜV Nord SysTec mit der Begutachtung des Stilllegungsantrags beauftragt.

Rückblick Öffentliche Veranstaltung

Unter dem Titel "Antrag auf Stilllegung eingereicht - und jetzt?" fand am 8.Mai 2014 die dritte öffentliche Veranstaltung im Rahmen des Dialogprozesses statt. Nach einem Grußwort des HZG-Geschäftsführers Prof. Wolfgang Kaysser berichteten Dr. Torsten Fischer (Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit am HZG) und Jörg Kunert (Pressesprecher der Begleitgruppe „Stilllegung Atomanlagen des HZG (ehem. GKSS)) über die bisherigen Erfahrungen im Dialogprozess.

Anschließend stellte Dr. Peter Schreiner (Leiter der Zentralabteilung Forschungsreaktor) den technischen Ablauf des Abbaus und die aktuellen praktischen Arbeitsschritte vor. Abgerundet wurde das Bild mit einem Vortrag von Jens Meier (Schleswig-Holsteinisches Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume), der die rechtlichen Aspekte des Genehmigungsverfahrens und die Rolle der Aufsichtsbehörde beleuchtete.

Alle Vorträge finden sich hier als Download:

Downloads

Von den rund 60 Gästen wurden die Vorträge positiv angenommen. Es entstand eine rege Diskussion um das Konzept. Wie bei vielen vorherigen Gelegenheiten interessierte vor allem eines: „Wie lange bleibt denn der Atommüll in Geesthacht und ist er in der Transportbereitstellungshalle sicher gelagert?“. Hierzu nehmen wir in diesem Newsletter ausführlich Stellung.

Wie lange bleibt der Atommüll am Standort Geesthacht?

Der Gesetzgeber gibt vor, dass HZG den Atommüll in einer Form aufzuarbeiten (konditionieren) und in Behälter zu verpacken hat, dass er die Anforderungen des genehmigten Bundesendlagers für schwach- und mittelradioaktiven Atommüll „Schacht Konrad“ bei Salzgitter erfüllt. Er ist dann in der Transportbereitstellungshalle (siehe oben) zu lagern, bis das Bundesamt für Strahlenschutz den Abtransport anordnet. Die Entscheidung, wie lange der Atommüll in der Transportbereitstellungshalle verbleibt, liegt demnach nicht beim HZG.

Der Begriff Transportbereitstellungshalle erweckt dabei den Eindruck, dass es sich hierbei um kurze Zeiträume handeln wird. Schaut man jedoch ins Detail, merkt man, dass es derzeit noch nicht einschätzbar ist, wie lange sich die „Transportbereitstellung“ hinzieht.

Zunächst muss man dabei auf die Situation des „Schacht Konrad“ eingehen. Im ehemaligen Erzbergwerk bei Salzgitter wurde der Erzabbau 1976 schon nach 10 Jahren aus Kostengründen eingestellt. Auf der Suche nach neuen Optionen kam damals unter anderem der Betriebsrat auf die Idee, man könne das Bergwerk als Lagerungsstätte für Problemabfälle nutzen und ausbauen. Es begannen unter Leitung der bundeseigenen Gesellschaft für Strahlenschutz Erkundungsarbeiten für die Eignung der Grube als Endlager für schwachradioaktive Abfälle und Großkomponenten aus dem Abriss von Atomkraftwerken.

Von Beginn an wurde die Erkundung von Protesten aus der Bevölkerung begleitet. Im Juni 2002 wurden dann trotz aller geäußerten Bedenken der Planfeststellungsbeschluss durch das niedersächsische Umweltministerium erteilt und im Februar 2008 die Klagen der Stadt Salzgitter, der Gemeinden Vechelde und Lengede sowie einer Landwirtsfamilie gegen die Genehmigung vom Bundesverfassungsgericht abgelehnt.

Der Kritik am Auswahlverfahren und der Eignung des Schachtes für die Atommülllagerung hat dieses keinen Abbruch getan. Im Februar 2013 formuliert die niedersächsische Landesregierung in ihrem Koalitionsvertrag: „Für die rot-grüne Koalition steht daher fest, dass gravierende Fehler insbesondere bei der wissenschaftlichen Analyse, den defizitären Sicherheitskriterien und der mangelnden Bürgerbeteiligung tiefgreifende und langfristige schädigende Auswirkungen haben können.“

Der niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel fordert genau wie die Stadt Salzgitter, die dortige IG Metall (mit vielen Tausend Beschäftigten bei VW, den dortigen Stahlwerken etc.), dem Verein Landvolk Braunschweiger Land und der Bürgerinitiative AG Schacht KONRAD, dass sich die Kommission für die Auswahl eines Bundesendlagers für hochradioaktiven Atommüll auch um die Problematik der Lagerung von schwach- und mittelradioaktivem Müll kümmert und damit der „Schacht Konrad“ erneut auf den Prüfstand kommt.

Weitere Informationen zum Endlager Konrad finden Sie unter den folgenden Links:

http://www.endlager-konrad.de http://www.ag-schacht-konrad.de/

Für den Rückbauprozess am Standort Geesthacht leiten sich daraus zwei Konsequenzen ab: Zum einen muss man feststellen, dass auch viele Menschen in Salzgitter den Atommüll aus Geesthacht nicht haben wollen und sich die ganze Misere einer Technologie zeigt, bei der beim Einstieg nicht an die Folgen gedacht wurde. Zum anderen bedeutet es aber auch ganz konkret für den Abbau, dass es möglich sein könnte, dass auch die Suche nach einem Endlagerkonzept für schwach- und mittelradioaktiven Atommüll neu beginnt und damit die Atommüllbehälter lange in der Transportbereitstellungshalle verbleiben könnten, ohne dass das HZG darauf einen Einfluss hat.

Aber auch ohne diese eher politischen, genehmigungsrechtlichen Probleme wirft das Konzept „Schacht Konrad“ für die Begleitgruppe folgende wesentlichen Fragen auf. Ursprünglich war die Inbetriebnahme für 2014 geplant. Doch immer wieder stießen die Betreiber bei den Ausbaumaßnahmen auf unerwartete technische Probleme. Aufgrund „erheblichen Sanierungsbedarfs bei den Schächten und der Hauptstrecke unter Tage“ bestätigte das Bundesumweltministerium im Mai 2013 eine Verzögerung bis mindestens 2021. Als neuen berechneten Termin für die Inbetriebnahme des Endlagers hat die DBE das Jahr 2022 angegeben. Dieser Termin sei nach Einschätzung des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) jedoch mit Unsicherheiten behaftet.

Sollte der „Schacht Konrad“ dann irgendwann einmal in Betrieb gehen, sieht das Einlagerungskonzept vor, dass pro Jahr 10.000 m3 Atommüll in den Schacht verbracht werden. Dabei wurde ein Schlüssel festgelegt, der vorgibt, dass jeweils 60 % Atommüll aus gewerblichen Atomkraftwerken kommen und 40 % aus bundeseigenen Atomanlagen wie z. B. dem HZG, dem Forschungszentrum Jülich und Karlsruhe oder dem Zwischenlager in Lubmin. Auf die Entscheidung, von welchem Standort zunächst abgefahren wird, hat das HZG keinen Einfluss.
Ebenfalls außerhalb der Entscheidungsgewalt am Standort Geesthacht liegt die Steuerung der Finanzmittel für den Rückbau der verschiedenen Forschungseinrichtungen. Hier verfügt das Bundesforschungsministerium über einen Finanztopf aus dem alle Rückbauprojekte finanziert werden. Ob dabei die Arbeiten an allen Standorten gleichzeitig vorangetrieben werden oder ob einzelne Projekte prioritär behandelt werden, wird jährlich neu festgelegt.

Sowohl die Kontingentierung des einzulagernden Mülls als auch die Finanzsteuerung der Rückbauprojekte bewirken, dass konkrete Aussagen zum Zeitpunkt, an dem der Atommüll Geesthacht verlässt, auch ohne die Probleme beim Ausbau des Schachtes Konrad, zum jetzigen Zeitpunkt nicht zuverlässig terminiert werden können. Im günstigen Falle fließen die Gelder kontinuierlich und die Geesthachter Behälter werden als eine der ersten nach Salzgitter abgefordert. Aber auch eine jahrelange Verzögerung und ein Bevorzugung anderer Standorte sind denkbar.

Die Begleitgruppe geht aufgrund dieser Erwägungen von einer jahrelangen, ja eventuell sogar jahrzehntelangen Lagerung der Atommüllbehälter in der Transportbereitstellungshalle aus. Daher fordert sie ein Höchstmaß an Sicherungs- und Überwachungsmaßnahmen, um eine Gefährdung auch bei solch langen Lagerungsdauern auszuschließen. Für das HZG steht bei allen Vorhaben die Sicherheit an erster Stelle. Das Forschungszentrum wird für einen maximalen Schutz der Mitarbeiter und Bevölkerung sorgen.

Wie geht das Genehmigungsverfahren weiter?


Nachdem der Antrag auf Stilllegung des Brennelemente freien Forschungsreaktors FRG-1 und Abbau der Forschungsreaktoranlage und des Heißen Labors nach einer Bewertung durch den Diplom-Physiker und kritischen Experten Wolfgang Neumann und Diskussionen im Dialogprozess bei der zuständigen Aufsichtsbehörde eingereicht worden ist, läuft nun das Genehmigungsverfahren an. Einer der nächsten Schritte wird nun der sogenannte Scoping-Termin sein. Dazu werden von der Atomaufsicht alle von der Stilllegung in irgendeiner Weise betroffenen Behörden, Einrichtungen, Verbände und Initiativen eingeladen, um die Anforderungen und den Umfang einer Umweltverträglichkeitsprüfung zu klären. Diese Veranstaltung gilt als Beratungstermin für die Genehmigungsbehörde und den Antragsteller. Derzeit ist davon auszugehen, dass dieser Scoping-Termin Anfang 2015 stattfinden wird.
Während der Dialog zwischen HZG und Begleitgruppe auf rein freiwilliger Basis läuft und keinerlei rechtliche Grundlage hat, ist das Öffentlichkeits-Beteiligungsverfahren im Atomrecht festgelegt. In diesem werden nach dem Scoping-Termin die Antragsunterlagen zwei Monate lang öffentlich ausgelegt bzw. auch im Internet veröffentlicht. Dazu kann dann als einzelne Stellungnahme oder Sammeleinwendung Kritik gegen die dargelegten Maßnahmen erhoben und in das Verfahren eingebracht werden.

Die Genehmigungsbehörde bereitet auf dieser Grundlage den anschließenden Erörterungstermin vor, bei dem alle Fragen und Kritikpunkte behandelt werden müssen. Die Behörde leitet diesen Termin und die Antragsteller sind zur Auskunft verpflichtet.

Auch die Begleitgruppe wird eine solche Einwendung erheben, denn nur auf diese Weise ist eine weitere Beteiligung im atomrechtlichen Genehmigungsverfahren möglich.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN


Neue Termine Besichtigung Forschungsreaktor

Die Forschungsreaktoranlage des ehemaligen GKSS-Forschungszentrums kann weiterhin von jedem Interessierten ab 18 Jahren besichtigt werden.

Die nächsten Termine und ein Anmeldungsformular finden Sie hier:

Anmeldung Besichtigung

Umfangreiche Informationen im Download

Alle Vorträge bei unseren öffentlichen Veranstaltungen, die Grundzüge der Zusammenarbeit und den größten Teil der Unterlagen im Genehmigungsverfahren finden sich zum Download auf der Internetseite des HZG:

Zu den Downloads

Bericht über HZG-Dialog in Fachpublikation über Politische Mediation

Im Frühjahr dieses Jahres erschien von Christopf Besemer das Buch “Politische Mediation. Prinzipien und Bedingungen gelingender Vermittlung in öffentlichen Konflikten” beim Verlag Stiftung Mitarbeit.

In einem Kapitel berichtet die Mediatorin Silke Freitag über die bisher erfolgreiche Bürgerbeteiligung des Prozesses "HZG im Dialog".

Download des Kapitels hier:

HZG im Dialog

HZG im Dialog - Newsletter Dezember 2013 der Begleitgruppe „Stilllegung Atomanlagen des HZG (ehem. GKSS)" und des Helmholtz-Zentrums Geesthacht

Wer sind wir und die Grundzüge der Zusammenarbeit? Stilllegungsantrag eingereicht So geht es weiter Weitere Informationen


Forschungsreaktoranlage am Helmholtz-Zentrum Geesthacht. Seit dem 1. Juli 2010 befindet sich der Forschungsreaktor in der Nachbetriebsphase.

Forschungsreaktoranlage am Helmholtz-Zentrum Geesthacht. Seit dem 1. Juli 2010 befindet sich der Forschungsreaktor in der Nachbetriebsphase.

Stilllegung von Atomanlagen im Dialog und per Konsens? Vor rund einem Jahr hat das Helmholtz-Zentrum Geesthacht (HZG) BürgerInnen und Anti-Atom-Initiativen eingeladen, die geplante Stilllegung und den Abbau der kerntechnischen Anlagen des ehemaligen GKSS-Forschungszentrums in einem konsensorientierten Dialog-Prozess und unter Beachtung der gesetzlichen Rahmenbedingungen durchzuführen. Nicht nur Offenheit und Transparenz, sondern die Suche nach gemeinsamen Vorgehensweisen solle den Dialog bestimmen.

Dieser – bundesweit ungewöhnliche – Vorschlag des HZG wurde nach einer Auftaktveranstaltung im Herbst 2012 positiv aufgegriffen und inzwischen hat sich auf dieser Basis eine Begleitgruppe „Stilllegung Atomanlagen des HZG (ehem. GKSS)“ gebildet. Nach einem Jahr intensiver Diskussionen und Vereinbarungen wollen wir Sie gemeinsam über den bisherigen Erfolg dieses besonderen Dialogprozesses informieren.

Das Helmholtz-Zentrum Geesthacht (HZG) startete am 1. Oktober 2012 die Veranstaltungsreihe „HZG im Dialog“. Themen sind die Stilllegung des 2010 abgeschalteten Forschungsreaktors des ehemaligen GKSS-Forschungszentrums Geesthacht und der Abbau der kerntechnischen Anlagen.

Auftaktveranstaltung Oktober 2012

Auftaktveranstaltung Oktober 2012

Gleichzeitig ist es sowohl dem HZG als auch der Begleitgruppe wichtig, einen Beitrag zur Vergangenheitsbewältigung zu leisten. Immer wieder stand die Geschichte des ehemaligen GKSS-Forschungszentrums in der Kritik. Aus Sicht des HZG bietet der Dialog die Möglichkeit, unbegründete Vorwürfe aus dem Raum zu schaffen; aus Sicht der Begleitgruppe die Chance, neue Antworten auf lange bestehende Fragen zu finden.

Im Rahmen einer öffentlichen Auftaktveranstaltung haben sich AnwohnerInnen, Geesthachter BürgerInnen sowie regionale und überregionale Anti-Atom-Initiativen zu einer Gruppe zusammengeschlossen, um den konsensorientierten Dialogprozess gemeinsam mit dem HZG offen und transparent zu gestalten. Die Begleitgruppe und das Helmholtz-Zentrum Geesthacht ziehen nach einem Jahr eine positive Bilanz und werden die konstruktive Zusammenarbeit fortsetzen.

Diskussion in Kleingruppen

Auftaktveranstaltung Oktober 2012

„Sicherheit steht bei allen Abbau-Prozessen an oberster Stelle. Zusätzlich legen wir großen Wert darauf, die Zukunft unseres Zentrums mit den Menschen der Region zu gestalten“, erläutert HZG-Geschäftsführer Prof. Dr. Wolfgang Kaysser. „Mein besonderer Dank gilt dem Engagement der überwiegend ehrenamtlich tätigen Bürgerinnen und Bürger, die sich mit uns seit einem Jahr intensiv austauschen und diskutieren und so gemeinsam zukunftsorientierte Lösungen erarbeiten“, so Kaysser.


Wer sind wir und die Grundzüge der Zusammenarbeit?

Die Begleitgruppe besichtigt die Forschungsreaktoranlage

Die Begleitgruppe besichtigt die Forschungsreaktoranlage

Aktuell besteht die Begleitgruppe aus 10 Einzelpersonen und Initiativen-VertreterInnen, die aus sehr unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen kommen und unterschiedliche Positionen zur Atomenergie haben. Auf Seiten des HZG wird der Dialog von vier MitarbeiterInnen begleitet.

In den vergangenen Monaten haben die Begleitgruppe und das HZG „Grundzüge der Zusammenarbeit“ sowie das jeweilige Selbstverständnis schriftlich in gemeinsamen und getrennten Sitzungen erarbeitet. Gerade an dieser Stelle des Dialoges zeigte sich die Besonderheit des Vorgehens in Geesthacht. Es gibt keine vergleichbaren Vorbilder der Bürgerbeteiligung, von deren Erfahrungen man profitieren kann. Viele Fragen zur Art und Weise der Zusammenarbeit mussten hier miteinander geklärt werden.

Vor dem Hintergrund des gesetzlich beschlossenen Atomausstiegs und der damit verbundenen Stilllegungen von zahlreichen Atomanlagen könnte der konsensorientierte Dialogprozess um die GKSS-Atomanlagen möglicherweise aus Sicht der Begleitgruppe auch bundesweit ein Vorschlag für eine bessere Bürgerbeteiligung sein.

Dialogpartner Selbstverständnis des HZG (175 KB)Selbstverständnis Begleitgruppe (193 KB)Grundzüge der Zusammenarbeit Zwischen HZG und Begleitgruppe (195 KB)


Stilllegungsantrag eingereicht

Im Dialog über die Lagerung von Abfällen

Im Dialog über die Lagerung von Abfällen

Das Helmholtz-Zentrum Geesthacht (HZG) hat im März 2013 beim schleswig-holsteinischen Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume in Kiel den Antrag zur Stilllegung der Forschungsreaktoranlage des ehemaligen GKSS-Forschungszentrums eingereicht.

Zuvor hatte sich das HZG bereiterklärt, den zunächst geplanten Zeitpunkt für die Einreichung des Stilllegungsantrages um mehrere Monate zu verschieben, um der Begleitgruppe die Möglichkeit zu geben, sich einen Überblick zu verschaffen. Auf Wunsch der Begleitgruppe wurde der unabhängige Atom-Experte und Physiker Wolfgang Neumann hinzugezogen.

Nach kritischer Prüfung, bei der auch neue Vorschläge für das Vorgehen diskutiert wurden, verständigten sich HZG und die Begleitgruppe darauf, den Weg eines Rückbaus zu gehen. Wolfgang Neumann hat die Stilllegungsstrategie des HZG überprüft und den Abbau gegenüber dem „Sicheren Einschluss“ der gesamten Anlage als zu bevorzugende Option bestätigt. Im Rahmen einer weiteren öffentlichen Veranstaltung am 15. Januar 2013 wurde der Stilllegungsantrag auch der interessierten Bevölkerung vorgestellt.

Die Entscheidung, den Stilllegungsantrag für den Abbau im März zu stellen, ist Ergebnis eines konstruktiven Dialogs zwischen HZG und Begleitgruppe.


So geht es weiter

Derzeit läuft von Seiten des schleswig-Holsteinischen Ministeriums die Ausschreibung für die Beauftragung der externen Gutachter. Diese wird vermutlich Ende 2013 abgeschlossen sein. Für die erste Jahreshälfte 2014 planen HZG und Begleitgruppe eine öffentliche Veranstaltung, in der das Genehmigungsverfahren dargelegt wird. Parallel beschäftigt sich die Begleitgruppe mit den Fragen der Lagerung des im Rahmen des Abbaus entstehenden Atommülls.

Gemeinsamer Besuch des Schacht Konrad

Von Interesse ist dabei zum einen die Frage nach dem (Zwischen-) Lagerungskonzept des HZG vor Ort; dessen Details derzeit noch erarbeitet werden. Aus Sicht der Begleitgruppe stellt sich jedoch auch die Frage, wohin der Atommüll endgültig soll. Vorgesehen ist hierfür das Bundesendlager für schwach- und mittelradioaktiven Atommüll Schacht Konrad. Doch der Termin für dessen Inbetriebnahme wurde bereits mehrmals verschoben. Seitens der Bürgerinitiativen gibt es massive Zweifel an der Sicherheit und Eignung des ehemaligen Bergwerkes.

Im Rahmen des Dialogprozesses wirft dies die Frage auf, welche Konsequenzen daraus für den Standort Geesthacht entstehen, wie lange wird der Atommüll vor Ort bleiben und gibt es überhaupt ein tragbares Endlagerkonzept? Insofern begreift sich die Begleitgruppe auch als Teil der gesellschaftlichen Debatte über einen verantwortungsvollen und konsensualen Umgang mit den Folgen der Atomenergie.

Denn die Frage, wo und wie die beim Rückbau der Atomanlagen der ehemaligen GKSS anfallenden radioaktiven Abfälle dauerhaft sicher gelagert werden können, kann nicht allein in Geesthacht beantwortet werden. Dazu braucht es einen gesellschaftlichen Konsens!

Im November 2013 haben die Begleitgruppe und das HZG gemeinsam den Schacht Konrad besichtigt und mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des dortigen Infozentrums und auch der AG Schacht Konrad Informationsgespräche geführt.
Nach der Beschäftigung mit dem Themenkomplex Lagerung im Rahmen der internen Begleitgruppentreffen wird es hierzu eine weitere öffentliche Veranstaltung im Mai 2014 geben.

Neben den Fragen im Rahmen des Stilllegungs- und Abbauprozesses geht es um die Aufarbeitung der Vergangenheit des ehemaligen GKSS-Forschungszentrums.

Vor dem Hintergrund der langjährigen Diskussionen um das Leukämiecluster in der Elbmarsch und die Bandbreite der Atomforschung des ehemaligen GKSS-Forschungszentrums sind sich alle am Dialog Beteiligten einig, dass ein „Aufwärmen“ alter Argumente und Herangehensweisen nicht zu neuen Erkenntnissen führen wird. Die Dialoggruppe hat hier entschieden, in einem ersten Schritt intern alle Argumente beider Seiten zu sammeln, Fakten zu sichten und anschließend zu diskutieren, wie man sich diesen Themen gemeinsam neu nähern kann.

Wir würden uns freuen, wenn Sie als Newsletter-LeserIn zu den öffentlichen Veranstaltungen kommen und sich dort mit Ihren Fragen und Anregungen beteiligen.

Weitere Informationen


Neue Termine Besichtigung Forschungsreaktor

Die Forschungsreaktoranlage des ehemaligen GKSS-Forschungszentrums kann weiterhin von jedem Interessierten ab 18 Jahren besichtigt werden.

Die nächsten Termine und ein Anmeldungsformular finden Sie hier:

Termine & Anmeldung