| Medienmitteilung

Helmholtz-Wissenschaftler ist neuer Direktor des europäischen Großforschungszentrums ESS

Im südschwedischen Lund entsteht derzeit ein Großgerät für die Forschung mit Neutronen: die Europäische Spallationsquelle ESS. Der Institutsleiter und Physiker aus dem Helmholtz-Zentrum Geesthacht, Prof. Dr. Andreas Schreyer, ist seit Januar der neue wissenschaftliche Direktor dieses zukunftweisenden Zentrums.

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Prof. Dr. Andreas Schreyer [Foto: ESS]

„Ich gratuliere Andreas Schreyer zu diesem Schritt und wünsche ihm für die spannende Aufgabe viel Erfolg“, sagt Otmar D. Wiestler, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft. „Diese Berufung ist ein eindrücklicher Beleg für seine herausragende wissenschaftliche Qualifikation und den internationalen Stellenwert des Helmholtz-Zentrums Geesthacht.“

„Ich freue mich für Prof. Schreyer und habe gerne der Abordnung zur ESS zugestimmt. Dies wird ein enormer Gewinn für die deutsche und europäische Neutronenforschung sein“, äußert sich der Wissenschaftliche Geschäftsführer des Helmholtz-Zentrums Geesthacht (HZG), Prof. Dr. Wolfgang Kaysser. „Allerdings bedauern wir es als Forschungszentrum natürlich sehr, dass wir mit ihm einen hochkompetenten und äußerst engagierten Wissenschaftler auf dem Gebiet der Forschung mit Neutronen und Synchrotronstrahlung verlieren.“

Seit 2006 leitete Prof. Dr. Andreas Schreyer im Institut für Werkstoffforschung den Teilbereich Werkstoffphysik. Der promovierte Physiker hat das German Engineering Materials Science Centre, GEMS, aufgebaut und war seit 2008 Sprecher des Helmholtz-Programms „Großgeräte für die Forschung mit Photonen, Neutronen und Ionen“ (ab 2015:„Von Materie zu Materialen und Leben“).

Unter seiner Leitung und aufgrund des langjährigen Expertenwissens der Wissenschaftler in Geesthacht beteiligt sich das HZG bereits am Aufbau der ESS mit dem Instrument BEER, der Beamline for European Materials Engineering Research. Als Vorsitzender des Steuerungskomitees des BMBF-Projektes der deutschen Forschungseinrichtungen für die ESS, darunter u.a. das Helmholtz-Zentrum Geesthacht, das Forschungszentrum Jülich und die Technische Universität München, koordinierte er die gemeinsame Entwicklung der verschiedenen Instrumente für die ESS sowie die Abstimmung untereinander.

„Mein Ziel ist, ohne Kosten- und Zeitüberschreitung die ESS zur weltweit führenden Neutronenquelle zu entwickeln. In Lund werden wir einen weitaus höheren Neutronenfluss bieten, als alle bisherigen Spallationsquellen der Welt. Mit insgesamt 22 geplanten Instrumenten werden wir Forschung in zahlreichen gesellschaftlich relevanten Bereichen, wie Medizin oder Materialforschung ermöglichen. Auf diese Herausforderung freue ich mich sehr“, so Prof. Dr. Andreas Schreyer. Zu seinen Aufgaben in Lund zählen unter anderem die Koordinierung des Baus der zunächst 16 Instrumente sowie das Management der gesamten wissenschaftlichen Nutzung der ESS.

Über die Europäische Spallationsquelle ESS:

Für rund 1,8 Milliarden Euro entsteht im südschwedischen Lund die Europäische Spallationsquelle ESS. [Foto: ESS]

Insgesamt 17 europäische Länder sind an dem Gemeinschaftsprojekt ESS beteiligt. Von den rund 1,8 Milliarden Euro Baukosten tragen die Sitzländer Schweden und Dänemark die Hälfte. Deutschland beteiligt sich als drittgrößter Geldgeber an den Baukosten mit 202,5 Millionen Euro und an den zukünftigen Betriebskosten mit jährlich 15 Millionen Euro.

Die ESS wird modernste Infrastrukturen für Forschung mit Neutronen für zahlreiche Forschungsgebiete bieten: Von der Biologie über Lebenswissenschaften bis zur Material- und Energieforschung. Dabei wird bei der Neutronenquelle der ESS auf die bisher in Forschungsreaktoren notwendige Kernspaltung verzichtet. Bei der Spallation („Absplittern“) wird ein Metalltarget mit Teilchen so beschossen, dass dabei extrem viele Neutronen frei werden, die für die Forschungsexperimente nutzbar sind. Ab 2019 soll die Anlage Neutronen liefern und ab 2025 wird der vollständige Nutzerbetrieb angestrebt. Dann werden voraussichtlich jährlich bis zu fünftausend Wissenschaftler aus aller Welt die ESS nutzen.

Zur Person Andreas Schreyer:


Nach dem Studium der Physik und der Dissertation an der Ruhr-Universität Bochum war er seit 2001 Professor an der Universität Hamburg und zeitgleich Abteilungsleiter im Helmholtz-Zentrum Geesthacht. 2003 wurde er kommissarischer Institutsleiter des Bereichs Werkstoffphysik, in 2006 wurde er zum Leiter des Institutsteils benannt. Seit 2008 war er Sprecher des Helmholtz-Programms PNI sowie seit 2011 Vorsitzender des Steuerungskomitees des BMBF-Projekts für die an der ESS beteiligten deutschen Forschungseinrichtungen.
Der 52-jährige Physiker ist verheiratet und lebt mit seiner Frau und zwei erwachsenen Kindern in der Nähe von Lüneburg.

Kontakt:


Heidrun Hillen

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