| Pressemitteilung

Forscher diskutieren Herausforderungen der Schifffahrt mit Interessensvertretern

Die Schifffahrt wird in den nächsten Jahren stark zunehmen – darin sind sich Experten einig. Doch was kann getan werden, damit die teilweise auch negativen Folgen für Menschen und Umwelt möglichst gering ausfallen? Und vor allem: Wie lassen sich die beteiligten Reeder, Hafenbetreiber und Behörden für strengere Umweltauflagen gewinnen? Dies will ein vom Helmholtz-Zentrum Geesthacht (HZG) organisierter Expertenworkshop vom 28. bis zum 30. September in Hamburg ausloten. Das Besondere: Neben Wissenschaftlern sind auch Umweltorganisationen, Behörden und die Wirtschaft eingeladen, um künftige Herausforderungen zu diskutieren.

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Containerschiff mit voller Ladung. Bis 2030 erwartet Dr. Volker Matthias vom HZG einen Anstieg der Schiffsemissionen in der Nord- und Ostsee um bis zu 30 Prozent. Quelle: Fotolia_M© Kara

2030: Anstieg der Schiffsabgase um 30 Prozent erwartet

Der Workshop ist Teil des EU-Projekts SHEBA „Sustainable Shipping and Environment of the Baltic Sea Region“, das sich mit der Schifffahrt und ihren Folgen beschäftigt. Ziel ist es, den Einfluss auf den Zustand der Ostsee und die Region anhand von drei Schwerpunktthemen – Luftverschmutzung, Wasserverschmutzung und Unterwasserschall – zu erforschen. „Bei der Luftverschmutzung wissen wir, dass ohne entsprechende Maßnahmen der negative Einfluss des Schiffsverkehrs auf die Luftqualität und den Eintrag von Schadstoffen in die Ostsee drastisch steigen wird“, sagt Dr. Volker Matthias vom Institut für Küstenforschung, der am HZG für das Arbeitspaket „Luftverschmutzung“ verantwortlich ist und sich in den vergangenen Jahren eingehend mit dem Thema Schiffsemissionen in der Nordseeregion beschäftigt hat.

Bis 2030 rechnet der HZG-Experte in der Nordsee mit einem Anstieg der Schiffsabgase um bis zu 30 Prozent. „Diese Ergebnisse lassen sich weitgehend auf die Ostsee übertragen, bei der es sich um eine ähnlich intensiv genutzte Wirtschaftszone handelt.“ Der Physiker sieht Probleme vor allem bei gesundheitlichen Folgen für die Küstenbewohner und einer zunehmenden Belastung für Flora und Fauna der Ostsee durch steigende Schadstoffeinträge. „Unsere Forschung für die Nordsee hat ergeben, dass die Atmosphäre derzeit für rund dreißig Prozent der Stickstoffeinträge verantwortlich ist. Wenn der Schiffsverkehr weiter ansteigt und es keine zusätzlichen Umweltmaßnahmen gibt, dann wird dies klare Auswirkungen haben“, betont Matthias.

Durch Dialog Akzeptanz fördern

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Um wichtige Akteure in das EU-Projekt einzubinden, stützt sich SHEBA als wichtige Säule auf den intensiven Dialog. Quelle: iStock/ Yuri Arcurs

Um wichtige Akteure gezielt in das EU-Projekt einzubinden und dadurch gleichzeitig die Akzeptanz für künftige Maßnahmen zu verbessern, stützt sich SHEBA neben naturwissenschaftlicher Forschung als weitere wichtige Säule auf den intensiven Dialog mit Interessensvertretern, so genannten Stakeholdern. Alle Aktivitäten zum Thema Interaktion bündeln sich in einem weiteren Arbeitspaket („Dissemination, education and data products“) das der HZG-Wissenschaftler Prof. Markus Quante verantwortet. „SHEBA geht deutlich über das hinaus, was wir in anderen Forschungsprojekten gemacht haben“, urteilt Volker Matthias. „Deshalb beziehen wir auch sozio-ökonomische Faktoren wie zum Beispiel die Kosten, Risiken für wirtschaftliches Wachstum und die Entwicklung der Bevölkerungsstruktur mit ein.“

Der Interaktionsgedanke kommt auch bei dem aktuellen Workshop in Hamburg zum Tragen. So steht für die beteiligten Wissenschaftler weniger die Projektvorstellung als vielmehr der intensive Dialog mit Wirtschaftsvertretern, Behörden und Umweltorganisationen im Vordergrund. Teilnehmer sind verschiedene Interessensvertreter aus dem Ostseeraum, darunter „HELCOM“, eine zwischenstaatliche Organisation zum Schutz des Ostseeraums, besser bekannt als „Helsinki Kommission“, die „ Swedish Yachting Association“, ein nationaler Dachverband für schwedische Yachtclubs, die Nichtregierungsorganisation „Clean Shipping Index“, „Hamburg Port Authority“ und „TUI Cruises“ als Vertreter der Kreuzfahrtbranche.

Workshopdaten fließen in Forschung ein

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Mit Hilfe von Zukunftsszenarien für die Jahre 2030 und 2040 wollen die Forscher herausfinden, inwieweit striktere Umweltmaßnahmnen dem Schutz der Ostseeregion dienen können.

Für den konstruktiven Austausch haben sich die Organisatoren zu den unterschiedlichen Projektschwerpunkten zentrale Fragen überlegt, welche die Teilnehmer in gemischten wechselnden Kleingruppen diskutieren. Auf diese Weise lassen sich Bedürfnisse, Ansichten und unüberbrückbare Differenzen ermitteln. „Wir wollen dann schauen, inwieweit sich die Informationen in eine Richtung kanalisieren lassen, so dass es für alle Teilnehmer interessant ist. So wollen wir herausfinden, an welchen naturwissenschaftlichen Fragen und Informationsprodukten die Akteure interessiert sind“, skizziert Volker Matthias ein zentrales Anliegen.

Die gesammelten Informationen nehmen dann in gebündelter Form Einfluss auf die weitere Forschungsarbeit. So nutzen die Wissenschaftler diese, um auf die Bedürfnisse zugeschnittene wissenschaftliche Produkte wie etwa Karten, Berichte oder Webseiten zu erstellen. Zusätzlich fließen die erhobenen Daten in die Entwicklung von Zukunftsszenarien für die Jahre 2030 und 2040. Sie dienen dazu herauszufinden, wie sich die Ostseeregion ohne entsprechende Maßnahmen entwickelt und inwieweit striktere Regeln einen Effekt erzielen können. Dabei werden die Wissenschaftler zum Beispiel auch Überlegungen wie Kosten und wirtschaftliche Folgen einbeziehen.

„Schwefelarmer Diesel so günstig wie Schweröl vor einem Jahr“

Dass negative Erwartungen und die Realität durchaus voneinander abweichen können, zeigt das Beispiel Nord- und Ostsee, wo seit Januar dieses Jahres strengere Vorgaben für Schwefel im Treibstoff gelten. „Bevor die neuen Regeln in Kraft traten, beklagte die Schifffahrtsindustrie deutliche Wettbewerbsnachteile. Mittlerweile sind die Preise so stark im Keller, dass der schwefelarme so viel wie der schwefelreiche Treibstoff vor einem Jahr kostet. Insofern fahren sie jetzt noch immer günstiger, obwohl sie schwefelarmen Schiffsdiesel nutzen“, verdeutlicht Volker Matthias. Erste Erfolge stellten sich auch ein: „Wir sehen, dass die Schwefeloxidkonzentrationen in den Schutzzonen drastisch sinken. Für Stickstoffoxide gibt es derzeit noch keine strengeren Vorschriften. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass sie zu ähnlichen Erfolgen führen würden.“

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