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UN-Bericht zur Quecksilberbelastung in der Umwelt

Die Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen (UN-ECE) hat im August 2011 den Bericht „Hemispheric Transport of Air Pollution 2010“ zur Ausbreitung von Schadstoffen über die Atmosphäre veröffentlicht. Prof. Dr. Ralf Ebinghaus vom Institut für Küstenforschung des Helmholtz-Zentrums Geesthacht hat als Leitautor das Kapitel zum weltweiten Stand des Wissens über Beobachtungen und Messungen von Quecksilber verfasst.

Quecksilber wird freigesetzt, wenn fossile Brennstoffe verbrennen - besonders hoch sind die Emissionen bei Kohlekraftwerken.

Quecksilber wird in großen Mengen durch menschliche Aktivitäten freigesetzt. Als Gas oder an kleine Partikel gebunden gelangt es in die Atmosphäre, in Böden und Gewässer. Quecksilber wird freigesetzt, wenn fossile Brennstoffe verbrennen - in erster Linie Kohle. Doch auch bei der Chlorproduktion oder der Abfallverbrennung gelangt dieser Schadstoff in die Atmosphäre. Quecksilber ist hochgiftig für Mensch und Umwelt, kann sehr weit über die Atmosphäre verteilt werden und sich daher auch weit entfernt von seinen industriellen Quellen in der Natur anreichern.

Aufgrund der bekannten Gefahren durch Quecksilber wird derzeit vom UN-Umweltprogramm (UNEP) ein internationales Abkommen mit dem Ziel der weltweiten Senkung des Quecksilberausstoßes vorbereitet. In Norwegen und Schweden sind quecksilberhaltige Produkte bereits verboten.

Prof. Dr. Ralf Ebinghaus hat gemeinsam mit einem 8-köpfigen Autorenteam eine wissenschaftliche Zusammenstellung für den UN-ECE-Bericht gemacht: Zu dem was wir heute über Quecksilberausbreitung wissen, wo die Hauptquellen liegen und wo es sich anreichert. Das Kapitel zeigt außerdem, welche zukünftigen Entwicklungen möglich sind. Allerdings konnte auch ein unerwarteter Widerspruch aufgezeigt werden: Aufgrund des weltweit steigenden Energiebedarfs rechnen Experten mit einer Zunahme der Quecksilberbelastung. Vor allem in Ländern wie China und Indien wird der wachsende Energiebedarf durch Kohlekraftwerke gedeckt. Der zu erwartende Anstieg der Quecksilberkonzentration lässt sich in den zusammengestellten Messreihen allerdings nicht nachweisen. Ebinghaus zeigt für die letzten 15 Jahre sogar einen Rückgang der Quecksilberkonzentration auf. Dafür hat er Daten der westirischen Messstelle Mace Head herangezogen. Die Gründe für diesen Widerspruch sind bisher nicht bekannt.

In dem UN-ECE-Bericht spricht Ebinghaus auch Empfehlungen aus: „Bei der Qualität der Messnetze sollten national und international gewisse Standards eingehalten werden, um in Zukunft noch besser vergleichbare Daten zu erhalten. Außerdem fehlen für ein globales Verständnis der Quecksilberausbreitung bis heute Informationen von der Südhalbkugel“, so der Chemiker.

Hintergrundinformationen

Küstenmessstelle im irischen Mace Head.

Gemeinsam mit seinen Kollegen der Abteilung für Umweltchemie untersucht Ralf Ebinghaus am Institut für Küstenforschung die Schadstoffbelastung in meeresnahen Luftschichten. Mit speziellen Messverfahren können die Wissenschaftler die gegenwärtige Belastung durch langlebige Schadstoffe, wie zum Beispiel Quecksilber oder langlebige organische Schadstoffe, bewerten.

Auch der längste zusammenhängende Datensatz zur Quecksilberbelastung in den gemäßigten Breiten stammt aus dem Institut für Küstenforschung. Ebinghaus und seine Kollegen messen diese Daten seit 1995 von der irischen Küstenmessstelle Mace Head. Diese und andere Messwerte fließen in so genannte Chemie-Transport-Modelle ein. Diese Computermodelle können die Transportwege von Schadstoffen errechnen und ermöglichen so auch Aussagen zu Verteilungswegen und zukünftigen Entwicklungen.

Weitere Informationen

UN-ECE Bericht „Hemispheric Transport of Air Pollution 2010“ Teil B „Quecksilber“ Artikel zu Quecksilbermessungen in Mace Head im Journal „Atmospheric Environment“

Kontakt

Prof. Dr. Ralf Ebinghaus

Tel: 04152 87-2354

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