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Einfluss von anthropogenen Klimaänderungen auf den Seegang in der Nordsee

Stürme, Sturmfluten und Sturmflutseegang stellen Naturgewalten dar, die das Leben in der Küstenregion der Nordsee prägen und die Sicherheit sowohl auf See als auch im unmittelbaren Küstenbereich nachhaltig beeinflussen. Langfristige Änderungen in der Sturmflut- und Seegangsstatistik können gravierende Auswirkungen auf den Küstenschutz und die Sicherheit auf See haben. Zur Untersuchung möglicher Auswirkungen anthropogener Klimaänderungen auf den Seegang in der Nordsee wurden am Institut für Küstenforschung vier simulierte Klimaprojektionen für den Seegang im Zeitraum 2071-2100 mit Referenzsimulationen für den Zeitraum 1961-1990 verglichen. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen wurden jetzt in einer Studie in "Ocean Dynamics" publiziert.

Die Analyse der vier Klimaprojektionen lässt erkennen, dass große Unsicherheiten sowohl in der Größenordnung als auch in den räumlichen Mustern der Klimasignale existieren. Für große Bereiche der südlichen und östlichen Nordsee deutet sich eine Zunahme der extremen Wellenhöhen zum Ende des 21. Jahrhunderts an, im Mittel etwa 0.25 bis 0.35 m (5-8 % der Referenzwerte) (Abb. 1). Diese Änderung ist mit einer Zunahme der Häufigkeit extremer Wellenhöhen und ihrer Dauer gekoppelt. Im Detail zeigen die einzelnen Simulationen erhebliche Unterschiede. Diese werden zum einen durch die verschiedenen zugrunde liegenden Emissionsszenarien (unterschiedliche gesellschaftliche Entwicklung in der Zukunft), zum anderen durch die Wahl des Klimamodells, das die Seegangssimulationen antreibt, verursacht. Hierbei liefern die unterschiedlichen Klimamodelle einen deutlichen höheren Beitrag zu den bestehenden Unsicherheiten. Dieser erreicht in etwa die Größenordnung der abgeschätzten Änderungen im Seegangsklima.



Die Ergebnisse der Studie wurden in

Grabemann and R. Weisse, 2008. Climate change impact on extreme wave conditions in the North Sea: an ensemble study. Ocean Dynamics 58, 199-212, 10.1007/s10236-008-0141-x
veröffentlicht.

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30-Jahresmittelwert der jährlichen 99 Perzentile der signifikanten Wellenhöhe in m für den Zeitraum 1961-1990 für eine der Referenzsimulationen (links) und mittlere Änderung der jährlichen 99 Perzentile zwischen den Simulationen für die Klimaprojektionen und den Referenzsimulationen (mittleres Klimasignal) in m für den Zeitraum 2071-2100 (rechts). Bereiche, für die das Klimasignal in den vier Klimaprojektionen das gleiche Vorzeichen hat, sind schattiert hinterlegt (orange: positives Vorzeichen), blau: negatives Vorzeichen).

Kontakt

Iris Grabemann
GKSS Research Centre
Institute for Coastal Research
Küstenklima

Max-Planck-Straße 1
21502 Geesthacht
Germany

Email: iris.grabemann[at]gkss.de