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Abkühlung im Sommer: Wissenschaftler errechnen Nordeuropas Klimageschichte

Dr. Eduardo Zorita und Dr. Sebastian Wagner vom Helmholtz-Zentrum Geesthacht haben zusammen mit einem internationalen Wissenschaftlerteam die Klimageschichte Nordeuropas für die letzten 2.000 Jahre rekonstruiert. In ihre Computersimulationen haben die beiden Paläoklimatologen die für das langfristige Klima wichtigen Änderungen der Erdbahn um die Sonne mit einbezogen. Ergebnis der Simulation: Die Sommertemperaturen in den nördlichen Breiten sind in den letzten 2.000 Jahren um 0,6 °C gesunken. Allerdings: Die in der Studie vorgestellten Ergebnisse widersprechen nicht der Deutung, dass die Erwärmung der letzten Jahrzehnte weitestgehend auf die Emission von Treibhausgasen zurückzuführen ist.

Die Computersimulationen der Geesthachter Wissenschaftler zeigen einen Rückgang der Sommertemperaturen in den nördlichen Breiten um 0,6 °C in den letzten 2000 Jahren (Foto: Fotolia/Thomas Bredenfeld).

Die Computersimulationen der Geesthachter Wissenschaftler zeigen einen Rückgang der Sommertemperaturen in den nördlichen Breiten um 0,6 °C in den letzten 2000 Jahren (Foto: Fotolia/Thomas Bredenfeld).

Verantwortlich für diesen langfristigen, auf Zeitskalen von Jahrtausenden stattfindenden Temperaturtrend sind Änderungen der Erdbahn um die Sonne. Denn die Bahn der Erde um die Sonne ist verantwortlich für die räumliche Verteilung und jahreszeitliche Intensität der Sonneneinstrahlung.

Beispielsweise lag der Punkt, an dem die Erde der Sonne am nächsten ist, vor etwa 10.000 Jahren im Juli, heute ist es im Januar. Auf geologischen Zeitskalen sind diese Schwankungen der Schrittmacher für den Wechsel zwischen klimatischen Warm- und Kaltzeiten.

Die Temperaturentwicklung lässt sich auch aus Jahresringen von Bäumen in Skandinavien ablesen. Denn die Dichte der Jahresringe von Bäumen kann die Temperaturen der Vergangenheit anzeigen.

Anhand der Jahresringe von alten, in Seen abgelagerten Kiefern aus Nordskandinavien konnte das internationale Wissenschaftlerteam den auch mit den Computersimulationen errechneten langfristigen Abkühlungstrend im nordeuropäischen Sommer für die letzten 2.000 Jahre nachweisen: 0,3 °C pro Jahrtausend.

Innerhalb dieses langfristigen Trends sind kurzfristigere Temperaturschwankungen zu beobachten, beispielsweise die durch den menschlichen Treibhauseffekt verursachte Erwärmung im 20. Jahrhundert.

Die Ergebnisse hat das Team, bestehend aus Wissenschaftlern aus Deutschland, Finnland, Schottland und der Schweiz, in Nature Climate Change veröffentlicht.

Kontakt


Abteilung Paläoklima

Dr. Eduardo Zorita

Institut für Küstenforschung

Max-Planck-Straße 1
21502 Geesthacht

Tel: +49 (0)4152 87-1856

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