HZG als Arbeitgeber

Forschen mit Familie - Helmholtz-Zentrum erneut prämiert

Die zur Hertie-Stiftung gehörende berufundfamilie gemeinnützige GmbH hat das Helmholtz-Zentrum Geesthacht (HZG) zum dritten Mal in Folge für seine fortschrittliche Personalpolitik ausgezeichnet. Bereits in den Jahren 2008 und 2011 erhielt das HZG das angesehene Zertifikat zum „audit berufundfamilie“ für die Angebote an seine Mitarbeiter. Lesen Sie hier das Interview mit der Gleichstellungsbeauftragten Elina Valli, die den Audit-Prozess für das HZG koordiniert hat.

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Freuen sich stellvertretend für das HZG über die erneute Auditierung v.l.n.r.: Juan-David Fernandez, Elina Valli und Christiane Hoffmann.

Was kann ich mir unter dem „audit berufundfamilie“ vorstellen?

Das "audit berufundfamilie“ ist ein kontinuierlicher Prozess: Nach Abschluss der Auditierung, in dessen Rahmen konkrete Ziele und Maßnahmen für eine familienbewusste Personalpolitik erarbeitet werden, steht die Vergabe eines Zertifikats. Durch die Re-Auditierungen wird das Zertifikat alle drei Jahre bestätigt, nachdem die Stiftung den aktuellen Fortschritt überprüft hat. Parallel legt eine Strategiegruppe aus HZG-Mitarbeitern weiterführende Ziele fest, die dann in eine konkrete schriftliche Zielvereinbarung münden.

Frau Valli: Welche Ziele sind mit dem laufenden Audit verknüpft?

Zertifikat audit berufundfamilie seit 2008

Das Helmholtz-Zentrum Geesthacht ist seit 2008 zertifiziert.

Als Metaziel für die nächsten drei Jahre haben wir „Mehr Frauen in wissenschaftlichen Führungspositionen“ beschlossen. Wir planen zum Beispiel den Aufbau eines „Talentmanagements“ zur gezielten Personalentwicklung und zum individuellen Wiedereinstieg von Führungskräften nach der Elternzeit mit zeitlich begrenzter Teilzeit- und Telearbeit. Auch den Dual Career-Ansatz, das heißt die Unterstützung von Partnern neu eingestellter Beschäftigter, wollen wir fördern und ausbauen. Außerdem setzt das HZG künftig auf eigene qualitätsbasierte Förderinstrumente für die Mitarbeiter. Für eine noch bessere Kinderbetreuung wollen wir zusätzliche Angebote für Schulkinder schaffen. Dazu gehören zum Beispiel Lernräume, deren Einführung wir prüfen und ein Kooperationsnetzwerk mit Schulen, damit Kinder mit anderer Muttersprache zügig integriert werden können. Wir werden auch unsere Möglichkeiten zur Telearbeit im Zentrum weiter ausbauen. Als weitere Schritte sollen flexiblere Rahmenarbeitszeiten von sechs bis 20 Uhr eingeführt und ein auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter besser abgestimmtes Arbeitszeitkonto angeboten werden.

Wann hat das Helmholtz-Zentrum Geesthacht begonnen, Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ergreifen?

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Zertifikatsverleihung zum "audit berufundfamilie", welche das Helmholtz-Zentrum bereits zum dritten Mal diesmal stellvertretend durch Mitarbeiterin Christiane Hoffmann (Hinten link) entgegennahm.

Das HZG hat schon vor Jahren wichtige Bausteine für eine fortschrittliche Familienpolitik gelegt und schon 1999 flexible Arbeitszeiten eingeführt. Damit sind wir im Vergleich zu anderen Helmholtz-Zentren einer der Vorreiter. Seit 2007 gibt es die KiTa „Einsteinchen“. Hier sind die Plätz so begehrt, dass wir in wenigen Wochen eine Erweiterung planen. Zusätzlich bietet das HZG eine Notfallbetreuung an, die über die langen Öffnungszeiten von 8 bis 18 Uhr hinausgeht. 2002 wurde die Möglichkeit zur Telearbeit eingeführt. 2013 nutzten 22 Frauen und 19 Männer dieses Angebot. Für meinen Geschmack ist das noch sehr wenig, aber in manchen Forschungseinrichtungen kämpfen sie noch immer für die Einführung. Wir sind also schon klar einen Schritt weiter.

Die Telearbeit wird offensichtlich noch sehr wenig genutzt. Haben Sie schon Ideen, wie mehr Mitarbeiter davon profitieren können?

Es gibt Mitarbeiter, die wollen gar keine Telearbeit machen, da sie Berufs- und Privatleben strikt voneinander trennen. Bei anderen lässt sie sich schwierig mit den Jobanforderungen vereinbaren. Derzeit ist Telearbeit nur für Mitarbeiter mit Kindern unter 14 Jahren möglich. Über einen erweiterten Geltungsbereich diskutieren wir seit geraumer Zeit eifrig mit der Geschäftsführung. Erfreulicherweise hat Herr Ganß das Thema unter dem Punkt „mobiles Arbeiten“ erneut in die Zielvereinbarungen aufgenommen.

Was genau ist für Sie der zentrale Unterschied zwischen Telearbeit und mobilem Arbeiten?

Der Begriff „mobiles Arbeiten“ ist weiter gefasst als Telearbeit, die zu fest vereinbarten Zeiten stattfindet. Die neue Form würde den Mitarbeitern mehr Freiheiten zugestehen. So könnten sie einen Teil ihrer Arbeit, individuell geregelt, flexibel von Zuhause aus oder unterwegs auf Dienstreise erledigen. Auch wenn ein Familienmitglied plötzlich erkrankt, ließe sich durch mobiles Arbeiten die private Notlage kurzfristig entschärfen. Die Herausforderung dabei ist: die Rahmenbedingungen so weit wie möglich und so eng wie nötig zu gestalten, um sowohl dem Betrieb als auch den Mitarbeitern gerecht zu werden. Mobiles Arbeiten basiert immer auf gegenseitigem Vertrauen!

Haben Sie noch andere Ziele für die Zukunft?

Wir wollen Führungsleitlinien für das HZG formulieren und eine einheitlich gelebte tolerante Führungskultur aufbauen, vor allem mit dem Ziel, Führungskräfte für das Thema Chancengleichheit sowie Beruf und Familie zu sensibilisieren. Insgesamt merke ich in letzter Zeit, dass die Geschäftsführung dem Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie und Work-Life-Balance immer mehr Beachtung schenkt.

Woran merken Sie den Wandel?

Nach dem dritten erfolgreichen Audit wird das Thema als Bestandteil der Personalführung und nicht nur der Gleichstellung angesehen. In der Zukunft gehört die Umsetzung deshalb zu einer zentralen Aufgabe der Geschäftsführung und Personalabteilung. Als Gleichstellungsbeauftragte werde ich sie dabei mit Ideen und konstruktiver Kritik unterstützen. Um Führungskräfte für das Thema Beruf und Familie zu gewinnen, will sich die Geschäftsführung gezielt beteiligen: Zum Beispiel mit Workshops für die Institutsleiter, um sie von der Bedeutung zu überzeugen. Das Thema soll zusätzlich in das bestehende Weiterbildungsprogramm integriert werden. Auf Initiative von Herrn Kaysser werden wir eine Preisvergabe für den familienfreundlichsten Vorgesetzten einführen.

Wie erklären Sie sich diese veränderte Prioritätensetzung?

Elina Valli

Elina Valli, Gleichstellungsbeauftragte des Helmholtz-Zentrum Geesthacht

Der Wettbewerb um exzellente Köpfe ist in den vergangenen Jahren schärfer geworden. Nur wer die besten Konditionen bietet, kann das Rennen gewinnen. Oft geht es bei Mitarbeitern mit Familie nicht nur ums Gehalt, sondern um individuelle Gestaltungsräume für ein ausgewogenes Berufs- und Privatleben. Das Helmholtz-Zentrum Geesthacht kann nur durch überdurchschnittliche Angebote zu den Themen Forschen mit Familie und Work-Live-Balance Nachteile wie die Lage und die Größe des Zentrums kompensieren! Und nur eine die individuellen Bedürfnisse der Mitarbeiter berücksichtigende partizipative Unternehmenskultur garantiert ein nachhaltig gutes Betriebsklima.

Das Interview führte Vanessa Barth

Zertifikat "audit berufundfamilie" 2014 des Helmholtz-Zentrum Geesthacht "audit berufundfamilie" 2014 Kurzporträt des Helmholtz-Zentrum Geesthacht