Helmholtz-Zentrum Geesthacht, Monday, 20-May-2013 18:20:24 CEST
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Kurze Geschichte des Klimawandels

Chronologische Abfolge von wichtigen Ereignissen in der Geschichte des Klimawandels

1800-1870
Der Gehalt an Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre beträgt etwa 290 ppm (parts per million). Dieser Wert konnte durch Eiskernmessungen im Nachhinein bestimmt werden.

Die globale Mitteltemperatur (1850-1870) ist etwa 13.6°C.

Erste Industrielle Revolution. Kohle, Eisenbahnbau und Abholzung verstärken die Emission von Treibhausgasen, während Fortschritte in der Landwirtschaft und Gesundheitspflege die Bevölkerungszahlen ansteigen lassen.


1824
Fourier berechnet, dass die Erde ohne eine sie umgebende Atmosphäre wesentlich kälter wäre.


1859
Tyndall entdeckt, dass bestimmte Gase die Abstrahlung der Erde im Infrarotbereich behindern. Er weist darauf hin, dass eine Konzentrationsänderung dieser Gase in der Atmosphäre einen Klimawandel bewirken könnte.


1896
Arrhenius veröffentlicht erste Berechnungen der globalen Erwärmung aufgrund der vom Menschen verursachten CO2-Emissionen.


1897
Chamberlin erstellt ein Modell für den globalen Kohlenstoffaustausch, welches auch Feedbackmechanismen enthält.


1870-1910
Zweite Industrielle Revolution. Der Vormarsch von Düngemitteln und anderen Chemikalien, der Elektrizität und der öffentlichen Gesundheitspflege beschleunigt das Wachstum weiter.


1920-1925
Die Nutzung der Ölfelder in Texas und in der Region des persischen Golfs eröffnet eine Ära der billigen Energie.


1930er
Es wird über einen Trend zur globalen Erwärmung seit dem späten 19. Jahrhundert berichtet.

Milankovitch zieht Änderungen in der Erdumlaufbahn als Ursache für die Eiszeiten heran.


1938
Callendar argumentiert, dass die Erderwärmung aufgrund des Treibhauseffektes von CO2 bereits begonnen hat. Dies facht die Diskussionen um dieses Thema wieder an.


1956
Ewing und Donn legen ein Feedback-Modell auf, welches die abrupte Entstehung von Eiszeiten erklärt.

Phillips schreibt ein recht realistisches Computermodell der globalen Atmosphäre.

Plass berechnet, dass die Erhöhung des CO2-Gehalts in der Atmosphäre einen signifikanten Effekt auf die Strahlungsbilanz haben wird.


1957
Start des sowietischen Satelliten Sputnik. Unter dem Einfluss des Kalten Krieges wird 1957-58 das Internationale Geophysikalische Jahr gefördert, was den Klimawissenschaften neue finanzielle Mittel und eine gewisse Strukturierung bringt.

Revelle findet heraus, dass das menschengemachte CO2 nicht einfach durch die Ozeane aufgenommen wird.


1960
Mitchell berichtet einen Abfall der globalen Temperaturen seit den frühen 1940er Jahren.

Keeling misst den CO2-Gehalt in der Erdatmosphäre genau und stellt einen jährlichen Zuwachs fest. Der Gehalt an CO2 ist jetzt 315 ppm. Die globale Mitteltemperatur ist 13.9°C (5-Jahresmittel).


1963
Berechnungen zeigen, dass aufgrund der Wechselwirkung mit Wasserdampf das Klimasystem sehr sensibel auf Änderungen im CO2-Gehalt reagieren könnte.


1965
Konferenz über die Ursachen des Klimawandels in Boulder, Colorado, USA: Lorenz und andere weisen darauf hin, dass das Klimasystem einen chaotischen Charakter hat und dass plötzliche Veränderungen durchaus möglich sind.


1966
Emiliani’s Analyse von Tiefsee-Bohrkernen zeigt den zeitlichen Zusammenhang von kleinen Änderungen in der Erdumlaufbahn und Eiszeiten. Dies unterstreicht, dass das Klimasystem auf kleine Veränderung reagiert.


1967
Das „Internationale Globale Atmosphären Forschungsprogramm“ wurde ins Leben gerufen. Hauptsächlich, um Daten für eine verbesserte kurzfristige Wettervorhersage zu sammeln; es enthält aber auch Klimaaspekte.


1968
Studien warnen vor dem möglichen Zusammenbruch von antarktischen Eisschilden. Dieses hätte einen katastrophalen Anstieg des Meeresspiegels zur Folge.


1969
Astronauten betreten den Mond, wodurch die Erde als fragiles Ganzes ins Blickfeld rückt.

Budyko und Sellers stellen ihr Modell über den katastrophalen Feedback-Mechanismus zwischen Eis und Albedo vor.

Der Nimbus III Satellit liefert flächendeckende globale atmosphärische Temperaturmessungen.


1970
Der erste Earth Day (weltweiter Aktionstag für die Erde) findet statt. Die Umweltbewegung gewinnt an Einfluss. Die Sorge über die vermehrten weltweiten Umweltschäden nimmt zu.

Gründung von NOAA (US National Oceanic and Atmospheric Administration).

Es wird ein beschleunigter Anstieg der menschengemachten Aerosole nachgewiesen.

Bryson behauptet, dass diese der Erderwärmung entgegenwirken und zu massiver Abkühlung führen.

1971
Die SMIC Konferenz (Study on Man’s Impact on Climate) führender Forscher berichtet zum einen über die Gefahr eines schnellen und gefährlichen globalen Klimawandels aufgrund von menschlichen Aktivitäten und fordert zum anderen organisierte Forschungsvorhaben dazu.

Das Raumschiff Mariner 9 beobachtet, dass ein großer Staubsturm die Atmosphäre des Mars erwärmt hat. Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass das Klima in der Vergangenheit sich sehr stark vom heutigen unterscheidet.


1972
Eisbohrkerne und andere Quellen zeigen, dass in der Vergangenheit große klimatische Veränderungen zwischen relativ stabilen Phasen vorkamen, die in der Größenordnung von etwa 1000 Jahren liegen. Ein Beispiel liegt vor etwa 11000 Jahren.


1973
Das Öl-Embargo und der Ölpreisanstieg führen zur ersten ‘Energiekrise’.


1974
Ausgedehnte Trockenperioden seit 1972 verstärken die Sorgen um das Klima. Der Abkühlungseffekt der Aerosole wird jedoch als genauso wahrscheinlich angesehen wie die Erwärmung. Forscher zweifeln jedoch die von Journalisten angekündigte neue Eiszeit an.


1975
Die Warnungen über die Umweltfolgen von Flugzeugen führen dazu, dass Untersuchungen über Spurengase in der Stratosphäre angestellt werden und die Gefährdung der Ozonschicht entdeckt wird.

Manabe und andere Mitstreiter erstellen komplexe plausible Computermodelle, die berechnen, dass die Temperatur um einige Grad ansteigt, wenn der CO2-Gehalt der Atmosphäre verdoppelt wird.


1976
Studien zeigen, dass FCKWs (1975) und auch Methan und Ozon (1976) entscheidend zum Treibhauseffekt beitragen.

Tiefseebohrkerne zeigen den starken Einfluss des 100.000-jährigen Milankovitch-Zyklus, der die Änderungen in der Erdumlaufbahn beschreibt.

Abholzung der Wälder und andere Eingriffe in das Ökosystem werden als wichtige Faktoren des Klimawandels identifiziert.

Eddy zeigt, dass es in den letzten Jahrhunderten ausgedehnte Perioden gab, in denen keine Sonnenflecken beobachtet wurden. Diese korrespondierten mit kalten Perioden.


1977
Die generelle Meinung der Forscher konvergiert dahin, dass das Hauptklimarisiko des nächsten Jahrhunderts die globale Erwärmung ist und nicht eine mögliche Abkühlung.


1979
Zweite ‘Öl-Energiekrise’. Durch die gestärkte Umweltbewegung werden erneuerbare Energiequellen gefördert, Nuklearenergie eher gehemmt.

Der Report der „US National Academy of Sciences“ schätzt es als absolut glaubwürdig ein, dass eine Verdopplung des CO2-Gehalts eine globale Erwärmung um 1.5-4.5°C mit sich bringt.

Das Weltklimaforschungsprogramm (World Climate Research Programme, WCRP) wird aufgesetzt, um die internationale Forschung zu koordinieren.


1981
Die Wahl von Reagan zum US-amerikanischen Präsidenten bringt einen Rückschlag in der Umweltbewegung mit sich. Politischer Konservatismus ist verbunden mit der Skepsis gegenüber der globalen Erwärmung.

Hansen und andere zeigen, dass Sulfat-Aerosole das Klima erheblich abkühlen können. Dies stärkt das Vertrauen in Modelle, die eine zukünftige Erwärmung aufgrund von Treibhausgasen zeigen.

Einige Forscher sagen voraus, dass man das Klimaerwärmungssignal um das Jahr 2000 bereits beobachten werden kann.


1982
Eisbohrkerne aus Grönland belegen drastische Temperaturschwankungen in der fernen Vergangenheit in Zeiträumen von nur einem Jahrhundert.

Es wird eine starke globale Erwärmung seit Mitte der 1970er Jahre beobachtet, wobei 1981 das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen ist.


1985
Ramanathan und Mitstreiter geben bekannt, dass aufgrund der Zunahme von Methan und anderen Treibhausgasen die globale Erwärmung möglicherweise doppelt so schnell wie erwartet eintreten kann.


1985
Bei der Villach Konferenz wird unter den Experten Übereinstimmung darüber erzielt, dass eine gewisse globale Erwärmung nicht mehr zu verhindern ist. Es erfolgt ein Aufruf an die Regierungen, internationale Abmachungen zu treffen, um die Emissionen zu reduzieren.

Antarktische Eisbohrkerne belegen, dass in den vergangenen Eiszeiten die Temperatur und der CO2-Gehalt im Gleichklang variierten. Dies deutet auf mächtige biologische und geochemische Rückkopplungsmechanismen hin.

Broecker spekuliert, das ein Umbruch der nordatlantischen Ozeanströmungen einen schnellen und radikalen Klimawandel nach sich ziehen kann.


1987
Das Montreal-Protokoll der Wiener Konvention belegt die Emission von ozonzerstörenden Gasen mit internationalen Beschränkungen.


1988
Die Toronto Konferenz fordert strenge und spezifische Grenzwerte für die Treibhausgasemissionen. Die Premierministerin von Großbritannien, Thatcher, ruft als erste Staatschefin zum Handeln auf.

Eisbohrkerne und biologische Studien bestätigen, dass lebende Ökosysteme ein Klimafeedback in Form von Methan abgeben, welches die globale Erwärmung beschleunigt.

Der Zwischenstaatliche Ausschuss Klimaänderungen (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) wird gegründet.


1989
Die US amerikanische fossile Brennstoffindustrie und andere Industriezweige schließen sich zur „Global Climate Coalition“ zusammen, mit dem Zweck den Politikern und der Öffentlichkeit zu erklären, dass die Ergebnisse der Klimaforschung bisher zu unsicher sind, um konkrete Klimaschutz-Maßnahmen zu rechtfertigen.


1990
Der erste IPCC Bericht kommt zu dem Schluss, dass sich die Erde bereits erwärmt hat und dass eine weitere Erwärmung in der Zukunft wahrscheinlich ist.


1991
Der Mt. Pinatubo bricht aus. Hansen sagt aufgrund des Aerosoleffekts eine Abkühlung voraus. Dies wird 1995 mit Hilfe von Computermodellen nachgewiesen.

Sogenannte Klimaskeptiker behaupten, dass die Temperaturänderungen im 20. Jahrhundert auf solare Einflüsse zurückzuführen seien. (Die Korrelation zwischen Sonnenintensität und Klimaänderung tritt jedoch in der nächsten Dekade nicht mehr auf)

Studien aus Daten von vor über 55 Millionen Jahren zeigen, dass Eruptionen von Methan aus dem Ozeanboden mit einer enormen selbstverstärkenden Erwärmung möglich sind.


1992
Auf der Konferenz in Rio de Janeiro wird die UN Rahmenkonvention zum Klimawandel verabschiedet. Die USA blocken jedoch die Aufrufe zu konkretem Handeln.

Beobachtungen des vergangenen Klimas legen dar, dass die Klimasensitivität in der Vergangenheit in der gleichen Größenordnung liegt, wie sie von unabhängigen Modellen simuliert wird.


1993
Untersuchungen von grönländischen Eisbohrkernen zeigen, dass große klimatische Veränderungen (zumindest auf regionaler Skala) im Zeitraum einer einzigen Dekade von statten gehen können.


1995
Der zweite IPCC Bericht stellt eine ‘Signatur’ des menschengemachten Treibhauseffektes und der Erderwärmung fest. Für das kommende Jahrhundert wird eine starke Erwärmung als wahrscheinlich angesehen.

Es werden Berichte über das Aufbrechen des antarktischen Schelfeises und andere Zeichen der derzeitigen Erwärmung in den Polarregionen bekannt.


1997
Die internationale Konferenz verabschiedet das Kyoto Protokol. Dies setzt Ziele zur Reduktion der Treibhausgasemissionen fest - unter der Bedingung, dass ausreichend viele Nationen die Verträge unterschreiben.


1998
Der “Super El Niño" verursacht Wetterkatastrophen und das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen (was in den Jahren 2005 und 2007 etwa wieder erreicht wird).

Daten aus Bohrkernen bestätigen einen außergewöhnlichen Erwärmungstrend.

Zweifel über die Willkürlichkeit von Klimamodellen werden dadurch verringert, dass Forschergruppen das Eiszeitklima modellieren können und in den Modellen auf spezielle Anpassungen verzichten, um das heutige Klima zu reproduzieren.


1999
Die Kritik, dass Satellitendaten keinen Erwärmungstrend zeigen, wird durch das ‘National Academy Panel’ verworfen.

Ramanathan entdeckt eine massive ‘braune Wolke’ aus Aerosolen über Südasien.


2000
Die ‘Global Climate Coalition’ löst sich auf, da viele Teilnehmer sich mit der drohenden Erwärmung auseinandersetzen. Die Öl-Lobby überzeugt jedoch die US Administration davon, das Problem zu bestreiten.

Diverse Studien unterstreichen die Variabilität und die Bedeutung von biologischen Rückkopplungsmechanismen im Kohlenstoffkreislauf, die für die beschleunigte Erwärmung verantwortlich sind.


2001
Der dritte IPCC Bericht sagt schlicht aus, dass die globale Erwärmung, die seit der letzten Eiszeit beispiellos ist, „sehr wahrscheinlich“ ist - mit möglichen schwerwiegenden Überraschungen. Dies stellt das eigentliche Ende der Debatte mit allen Forschern dar, mit Ausnahme einiger weniger.

Auf dem Treffen in Bonn, unter Mitwirkung der meisten Länder außer den USA, werden Mechanismen entwickelt, wie die Kyoto Ziele erreicht werden können.

Das ‘National Academy Panel’ sieht einen „Paradigmenwechsel“ in der wissenschaftlichen Wahrnehmung des Risikos eines abrupten Klimawandels (auf dekadischer Skala).

Die Erwärmung von Ozeanbecken wird beobachtet. Ein Vergleich mit Computermodellen zeigt ein klares Signal der Erwärmung aufgrund des Treibhauseffektes.


2002
Studien zeigen einen überraschend starken Effekt der Abdunklung aufgrund der Luftverschmutzung. Dies soll den Treibhauseffekt verzögert haben, die Verschmutzung geht aber inzwischen zurück.


2003
Zahlreiche Beobachtungen lassen die Befürchtung aufkommen, dass das Abschmelzen der Eisdecken (West Antartkis und Grönland) den Meeresspiegel schneller ansteigen lässt als viele zuvor gedacht hatten.

Die sommerliche Hitzewelle mit vielen Toten in Europa verstärkt das Auseinanderdriften der Wahrnehmung des Klimawandels in der europäischen und US-amerikanischen öffentlichen Meinung.


2004
In der kontroversen Diskussion über die Temperaturdaten aus dem letzten Jahrtausend ziehen die meisten den Schluss, dass die vergangene Variabilität nicht mit der Erwärmung vergleichbar ist, die nach 1980 stattgefunden hat.


2005
Der Kyoto Vertrag tritt in Kraft und wird von den Hauptindustrienationen außer den USA unterzeichnet. Anstrengungen, den CO2-Ausstoss zu vermindern, werden in Japan, West Europa und US-amerikanischen Ländervertretungen und Vereinigungen verstärkt.

Der Hurrikane Katrina und andere schwere tropische Stürme regen die Diskussion darüber an, ob die globale Erwärmung einen Einfluss auf die Intensität der Stürme hat.


2007
Der 4. IPCC Bericht warnt davor, dass schwerwiegende Folgen der Erderwärmung bereits sichtbar sind. Die Kosten, die CO2-Emissionen zu reduzieren, seien deutlich geringer als der Schaden, den sie anrichteten.

Grönländische und antarktische Eisschilde sowie das Meereis des arktischen Ozeans schmelzen schneller als erwartet.


2009
Viele Experten warnen davor, dass die globale Erwärmung schneller und gefährlicher ist als man noch vor wenigen Jahren dachte.

Der CO2-Gehalt in der Atmosphäre erreicht 385 ppm.

Die globale Mitteltemperatur (5-Jahres-Mittel) liegt bei 14.5°C. Dies ist die wärmste in hunderten, vielleicht sogar tausenden von Jahren.

Mit freundlicher Genehmigung entnommen der Website “The Discovery of Global Warming” von Spencer Weart. Einen Überblick gibt das gleichnamige Buch (Harvard Univ. Press, 2nd ed., 2008). Copyright © 2002-2009 Spencer Weart & American Institute of Physics.

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