06.02.2012 Pressemitteilung
Nordseesturmfluten im Klimawandel
Wie stark sich Sturmfluthöhen an der deutschen Nordseeküste ändern, hängt in erster Linie vom Meeresspiegelanstieg und vom Windklima in der Deutschen Bucht ab. So würde die 1962er Sturmflut heute allein aufgrund des Meeresspiegelanstiegs in den letzten 50 Jahren etwa 10 Zentimeter höher auflaufen. Das die Sturmfluthöhen ebenfalls beeinflussende Windklima hat sich indes nicht verändert. Es unterlag im letzten Jahrhundert zwar starken Schwankungen, diese liegen jedoch im normalen Bereich. Eine Sturmsaison bringt heute weder heftigere noch häufigere Stürme in der Deutschen Bucht hervor als zu Beginn des letzten Jahrhunderts.
Das könnte sich nach Einschätzung von Wissenschaftlern am Institut für Küstenforschung des Helmholtz-Zentrums Geesthacht jedoch zukünftig ändern. Die Geesthachter Küstenforscher gehen von einer Änderung des Windklimas und einem weiter ansteigenden Meeresspiegel aus. Somit könnten Sturmfluten bis zum Ende des Jahrhunderts um etwa 30 bis 110 Zentimeter höher auflaufen als heute.
Am Geesthachter Institut für Küstenforschung werden die das Sturmflutgeschehen bestimmenden Faktoren genau analysiert. „Wir möchten wissen, wie und warum sich die Stärke und Häufigkeit von Sturmfluten in der Vergangenheit verändert hat“, erklärt Prof. Dr. Hans von Storch, Leiter des Instituts für Küstenforschung. „Wir errechnen außerdem Szenarien für die Zukunft und sprechen mit den Küstenbewohnern über ihr Risikoempfinden. So bekommen wir ein umfassendes Bild für die deutsche Nordseeküste“, so von Storch weiter.
Gerade hat eine Gruppe von Geesthachter Küstenforschern gemeinsam mit Ingenieuren von der Universität Siegen den Anstieg des Meeresspiegels in der Deutschen Bucht analysiert. Erstmals wurden alle zuverlässigen Wasserstandsmessungen ausgewertet, um zu ermitteln, wie sich der mittlere Wasserstand der Deutschen Bucht verändert hat.
Demnach ist der Meeresspiegel um etwa 20 Zentimeter im letzten Jahrhundert angestiegen, in letzter Zeit höher als in den Jahren um 1960. Solche erhöhten Anstiege hat es jedoch schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gegeben. Sie sind daher nicht ungewöhnlich.
Auch wenn durch die kontinuierliche Verbesserung des Küstenschutzes heute ein hohes Schutzniveau erreicht worden ist, sehen die Bewohner Norddeutschlands Sturmfluten als großes Risiko an. Seit 2008 führt das Institut für Küstenforschung jährlich Umfragen durch und befragt Hamburger Bürger zu Klimawandel, Sturmfluten und Gefahrenwahrnehmung. Für über 80 Prozent der Hamburger sind Sturmfluten und Überschwemmungen die Naturkatastrophen mit den potentiell schwersten Folgen für Hamburg.
Zum 50. Jahrestag der Sturmflut von 1962 spricht Prof. Dr. Hans von Storch über Sturmflutrisiken
Prof. Dr. Hans von Storch leitet das Institut für Küstenforschung am Helmholtz-Zentrum Geesthacht und ist Professor am Meteorologischen Institut der Universität Hamburg.
Rede zur Eröffnung der Sonderausstellung „Sturmflut 1962“ im NordseeMuseum Husum Nissenhaus
NordseeMuseum Husum Nissenhaus
Vortrag im Schwedenspeicher Museum Stade: „Sturmfluten an der Deutschen Nordseeküste. Kann sich „1962“ wiederholen?“
Weitere Informationen
Broschüre zur Einschätzung des Klimawandels und des Sturmflutrisikos in Norddeutschland
Umfrageergebnisse zum Risikobewusstsein der Hamburger Bürger 2008-2011
Das Institut für Küstenforschung am Helmholtz-Zentrum Geesthacht
Ausführliche Informationen zur 1962er Sturmflut und Veranstaltungshinweise der Stadt Hamburg
Kontakt
Julika Doerffer
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Bereich Küsten- und Klimaforschung
Helmholtz-Zentrum Geesthacht
Max-Planck-Strasse 1, 21502 Geesthacht
Telefon: 04152 / 87 1784
Mobil: 0171 / 2350220

