04.05.2010 Interview
Ölunfall im Golf von Mexiko droht zu einer großen Umweltkatastrophe zu werden
GKSS-Küstenforscher Carlo van Bernem.
CvB: 1986 gab es einen Ölunfall bei Panama. Dieser wurde sehr gut untersucht. Ein Vorratstank mit 10.000 Litern Rohöl lief aus und verseuchte die Mangrovenwälder und Korallenriffe. Das hatte intensive Schädigungen zur Folge. Die Pneumatophoren der Luftwurzeln wurden durch das aufgelagerte Öl verstopft.
Die Bäume im landwertigen Bereich starben fast flächendeckend ab, im seewertigen Bereich vor allem die Sprösslinge. Bei den Korallen waren einige Bereiche sehr stark betroffen, was für den Küstenschutz eine verheerende Wirkung hat, denn die Korallenriffe dienen als Wellenbrecher sowie Energieeinsammler und -abschwächer.
Wenn Mangrovenwälder und Korallenriffe geschädigt sind und z.B. ein Hurricane über die Küste fegt, ist die Küstenschutzfunktion stark beeinträchtigt. Zudem hat ein solcher Ölunfall langfristige Folgen, es gibt dort viele dicht siedelnde Organismen, Winkerkrabben, Landkrabben, Austern, Schnecken oder Würmer, die bis zu ein Meter tiefe Wohnröhren bauen.
In diese Wohnröhren kann das Öl einsickern, dringt in alle Sedimentbereiche und kann dann mikrobiologisch kaum noch abgebaut werden. Es gibt weltweit immer wieder Ölunfälle, die Korallenriffe und Mangrovenwälder treffen aber hier hat man wirklich den Eindruck, dass es sich zu einem sehr großen Ölunfall entwickeln wird.
Die Regeneration von Mangroven dauert sehr lange. Bis die Wälder sich wieder regeneriert haben, können mehr als 20 Jahre vergehen. Kurzfristig werden Folgen in der Fischerei zu spüren sein, Netze werden verschmutzt und der Fang ist dann nicht mehr verkaufbar, die Organismen sterben, die Bestände reduzieren sich. Für örtlich begrenzte Gebiete kann die Fischerei sogar auf Jahre hinaus zum Erliegen kommen.
Ergebniskarte für einen Ausschnitt im größeren Bereich der Elbemündung.
CvB: Das Raster dient vornehmlich der Vorsorgeplanung, das heißt, für besonders empfindliche Bereiche und bestimmte Zeiten kann man lokale spezifische Bekämpfungsmaßnahmen für den Notfall entwerfen. Bei der Reparation bzw. dem finanziellen Ausgleich eines Ölschadens weiß man außerdem genau, was dort angesiedelt war.
Man kann versuchen, im Raster besonders empfindliche Zonen durch mechanische Hilfsmittel mehr zu schützen und die Reinigung bestimmter Zonen zu intensivieren. Außerdem können besondere Brutgebiete mit chemischen Bekämpfungsmitteln gerettet werden, so dass kein Ölteppich auf der Oberfläche des Wassers treibt und die Vögel schädigt.
In Zusammenarbeit mit der Coast Guard stehen alle Möglichkeiten zur Verfügung, effektiv Öl zu bekämpfen. Allerdings hat mit einem derartigen Unfall niemand gerechnet. Hinzukommt die Abhängigkeit von den Wetterverhältnissen, zur Zeit des Unfalls war die See extrem unruhig, so war es schwieriger, das Öl einzudämmen und von der Oberfläche abzusaugen. Die See war zu stürmisch, um mit Sea Booms zu arbeiten.
Da ist man machtlos. Man kann dann noch dispergieren, aber wenn das Öl einige Tage alt ist und sich das so genannte Chocolat Mousse gebildet hat, ist es chemisch nicht mehr bekämpfbar.
Am Mississippi-Delta sind die Mangroven insgesamt als empfindlich gekennzeichnet, es werden bis auf Naturschutzgebiete, z.B. die Mississippi-Mündung, Hafenanlagen oder Marinas keine weiteren Unterschiede gemacht.
Detaillierter kann man das bei dieser riesigen Küste auch nicht machen. Was dort getan werden kann ist auch getan worden. Die Ölbekämpfung war gut gerüstet aber man hat sehr viel Pech gehabt.
Weitere Informationen
Ölunfall im Wattenmeer! Welche Gebiete sind besonders bedroht? (Pressemitteilung vom 27.11.2007)
Sensitivitätskartierung im deutschen Wattenmeer (Artikel im GKSS-Jahresbericht 2007)
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